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Liberation Unfinished


Mittwoch, 03. Dezember 2014, 19:00

Im Kino der Dekolonisation sind Regisseurinnen unterrepräsentiert und Geschlechterverhältnisse meist nur ein Randthema. Dieses Programm präsentiert Filme von Frauen, die an antikolonialen Revolutionen der 1960er-Jahre beteiligt waren und in ihren Filmen die Rolle der Frauen im Kampf um Unabhängigkeit thematisierten sowie das Fortwirken von Gender- und Race-Differenzen in der Revolution kritisierten.

Während der Befreiungsbewegung in Angola dreht die aus Guadeloupe stammende Sarah Maldoror Ende der 1960er-Jahre im befreiten Algerien ihren Kurzfilm Monangambée, der die Frau eines angolanischen Freiheitskämpfers in den Mittelpunkt stellt. Die afrokubanische Filmemacherin Sara Gómez verfolgt in De cierta manera den schmalen Weg der Identifikation mit den Programmen des revolutionären Kuba bei gleichzeitiger Kritik der Verhältnisse zwischen den Geschlechtern und ethnischen Gruppen. Am Beispiel der Umgestaltung eines Slums in einen sozialen Wohnbau und einer schwierigen Liebesgeschichte zwischen einer weißen Frau der Mittelschicht und einem Schwarzen Arbeiter kontrastiert Gómez den Aufbau der neuen kubanischen Gesellschaft mit ihren Desideraten in Bezug auf Freiheit und Gleichheit. Solche Widersprüche gleichsam in Form bringend, operiert der Film mit dokumentarischen Mitteln, Propagandatechniken und Erzählformen aus dem Spielfilm.

Filmprogramm

Sarah Maldoror, Monangambée, 1969, 15 min
Sara Gómez, La isla tesoro, 1969, 9 min
Sara Gómez, De cierta manera, 1974, 79 min


Vorgestellt von Christian Kravagna.

Christian Kravagna ist Kunsthistoriker und Kurator und arbeitet als Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien

€ 6,– / ermäßigt € 4,50