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Changing Channels

Kunst und Fernsehen 1963–1987


Freitag, 05. März 2010 bis Sonntag, 06. Juni 2010

Die Ausstellung widmete sich der künstlerischen Reflexion und Nutzung des Massenmediums Fernsehens von den 1960er- bis in die 1980er-Jahre. Sie zeigte in einer von Julie Ault und Martin Beck gestalteten Ausstellungsarchitektur Werke, die den zunehmenden gesellschaftlichen Einfluss sowie die ökonomischen, technologischen und gesellschaftlichen Mechanismen dieses Mediums zur Diskussion stellten.

Ab der Mitte der 1960er-Jahre nutzten KünstlerInnen aus dem Fluxus und Expanded Arts-Umfeld wie Nam June Paik oder Wolf Vostell die technischen Manipulationsmöglichkeiten des elektronischen Bildes für audio-visuelle Rückkoppelungseffekte und Eingriffe in den televisuellen Apparat. Dadurch sollten neue Formen der Partizipation und ein grundlegender Wandel bestehender Kommunikationsstrukturen ermöglicht werden. Künstlerische und aktivistische Kollektive wie Ant Farm oder Raindance demonstrierten mit Medienperformances und Video-Kameras, wie das Massenmedium Fernsehen sendet und wie es das Publikum manipuliert.

In den 1970er-Jahren widmeten sich konzeptuell arbeitende KünstlerInnen dem Verhältnis von Kunstraum und öffentlichem Medienraum. David Lamelas, Peter Weibel, VALIE EXPORT, Dan Graham oder Dara Birnbaum untersuchten die Verbindungen von Kunst, Information und Kommunikation und konzentrierten sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Sprache des Fernsehens. Ihre Arbeiten wurden in öffentlich-rechtlichen Kanälen wie dem ORF, der ARD oder in Kabelkanälen gesendet.

Künstlerische Infragestellungen des TV-Bildes bezogen sich dabei insbesondere auf televisuelle Selbstdarstellungen und Identifikationsangebote: Andy Warhol etwa war vom öffentlichen Ruhm fasziniert, Yoko Ono und John Lennon nützten ihn für politisch-künstlerische Zwecke. Ihre Arbeiten veranschaulichen die direkten Bezüge zur Warenlogik und Ökonomie der Marke, ebenso wie sie explizite Parallelen zwischen Künstlerbildern und medialen Starfunktionen thematisieren. Andy Warhol's TV, das  in 42 Episoden auch auf MTV lief und Stars wie Grace Jones, Jerry Hall, John Oates oder Blondie präsentierte, nahm in der Ausstellung die gesamte MUMOK FACTORY ein.

Im Zuge der rasant voranschreitenden Pluralisierung der Medienlandschaften in den 1970er-Jahren wurden die RezipientInnen zunehmend als ambivalente KonsumentInnen adressiert, die eigensinnige  Formen des Umgangs mit dem Medium entwickelten. Zu einem Zeitpunkt als TV längst selbstverständlich geworden war rückten bildende KünstlerInnen wie Judith Barry, Michael Smith oder Ilene Segalove  in verstärktem Maße die Paradoxien von Konsum und Unterhaltung ins Zentrum ihrer Arbeit.


Kuratiert von Matthias Michalka mit Manuela Ammer

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Buch zur Ausstellung