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Detail

Adrian, Marc
Ohne Titel [Hitler], 1957 - 1958
Objektkategorie Fotografie
Objektbeschreibung Fotocollage, Fotopostkarte auf Karton
Maße
Objekt: Höhe: 23,5 cm, Breite: 17 cm
Material
Objekt: Papier
Träger: Karton
Fotoecke: Kunststoff
Technik
Objekt: Collage
Inventarnummer MG 296/0
Erwerbungsjahr 2007
Creditline Sammlung Dieter und Gertraud Bogner im mumok
Rechteverweis Bildrecht, Wien
Weitere Infos GND, ULAN

Die Collagen des österreichischen Künstlers Marc Adrian sind eine Attacke auf visuelle Codes und Sehkonventionen der Nazizeit. Das Werk „Ohne Titel (Hitler)“ gehört zu einer Serie von Fotocollagen, die Adrian in den Jahren 1957 und 1958 schuf. Die Kritik des Künstlers gilt in diesen Fotocollagen nicht nur der NS-Kunstideologie per se, sondern ebenso ihrem Fortwirken im kollektiven Bewusstsein der österreichischen Nachkriegszeit. Fotopostkarten hatten in der NS-Zeit einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Verbreitung des „Führer“-Kultes geleistet. Ein häufiges Kartenmotiv für Wallfahrer zum Obersalzberg zeigte Adolf Hitler in herzlicher Begegnung mit Kindern. Die Karten waren Andenken und fungierten auch als symbolischer Ersatz für einen erhofften Händedruck des Diktators und Reichskanzlers. Viele Motive zeigten auch Kunstwerke oder Architektur des Nationalsozialismus. Diese Kunstpostkarten repräsentierten beispielhaft den Kanon der ideologisch vorgegebenen und von einem Massenpublikum akzeptierten Kunst. Marc Adrian hatte damit begonnen, vorgefundenes Bildmaterial nach den Prinzipien des „methodischen Inventionismus“, eines auf Sprache anwendbaren Programmier- und Analyseverfahrens, zu verfremden und zu dekonstruieren. Die einzelnen NS-Postkarten zerteilte er durch wenige Schnitte, meist an horizontalen oder vertikalen Bildachsen, und setzte sie entlang dieser Schnittkanten wieder zusammen. Er entschied sich dazu, Teile der Darstellung wegzulassen oder einzelne Abschnitte um 180 oder 90 Grad zu drehen oder diese an einer falschen Stelle anzufügen. Mitunter verband er auch Abschnitte mehrerer Karten miteinander. Wie bei einem Schiebepuzzle regen die Montagen dazu an, die zerschnittenen Motive in Gedanken in die ursprüngliche Form zurechtzurücken oder zu vervollständigen. Die montierten Teile ergeben am Ende eine geschlossene Bildkomposition mit neuen, verzerrten, gestauchten oder facettierten Büsten, Menschen, Landschaften oder Architekturen und machen so wie in einem Vexierspiegel die Deformationen des Nationalsozialismus deutlich.