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Detail

Lassnig, Maria
Karyatide, 1974
© mumok
Objektkategorie Allgemein
Objektbeschreibung Öl auf Leinwand
Maße
Objektmaß: Höhe: 127 cm, Breite: 143 cm, Tiefe: 2 cm
Rahmenmaß: Höhe: 129,8 cm, Breite: 144 cm, Tiefe: 3,3 cm
Inventarnummer B 639/0
Erwerbungsjahr 1985
Creditline mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
Rechteverweis Bildrecht, Wien
Weitere Infos GND

In den späten 1960er-Jahren übersiedelt die österreichische Künstlerin Maria Lassnig nach New York. 1974 zieht sie in ein Loft, das nach eigenhändiger Renovierung ganz in Weiß gehalten ist. In dieser Zeit werden auch ihre Bilder zunehmend heller und pastellfarben. Ihre späten Selbstbildnisse, in denen sich oft eine existentielle Bedrängnis zeigt, haben eine Vorstufe in diesen blassfarbigen Akten der 1970er-Jahre, zu denen auch das Gemälde „Karyatide“ gehört. Lassnig stellt sich in dieser Arbeit nackt in hockender Pose dar. Ohne Augen und mit ernster Miene ist ihr Gesicht nach oben gelenkt. Ihr linker Arm greift an den oberen Bildrand, der betont gemalte Oberarm zeigt, dass der Körper sichtbaren Belastungen ausgesetzt ist, so, als würde ein unsichtbares Gewicht auf ihm liegen. Der Titel des Bildes, Karyatide, zitiert die dekorativen Bauformen in der Architektur. So werden weibliche Stützfiguren genannt, die schweres Gebälk tragen, also Balkone, Gesimse und Portale mit eleganter, gelassener Leichtigkeit stützen. Die Künstlerin trägt als Karyatide eine schwere, nicht sichtbare Last. Das leichte Querformat des Bildes unterstützt die Vorstellung der Bedrängnis. Mit der Verstrebung ihres Körpers scheint sie sich gegen die äußere Begrenzung des Bildfeldes zu stemmen. Der geschwungene Körper vermischt sich in den blauen Konturen an den Armen und Beinen mit dem Hintergrund, der in „Karyatide“ als bodenloses Behältnis ihres Körperempfindens dient. Lassnig hat die Wahrnehmung ihres eigenen Körpers von Anfang an zum zentralen Thema ihrer Kunst erklärt. „Körpergefühlsbilder“ nennt Maria Lassnig die Darstellung ihres eigenen Körpers, den sie erfühlt und von außen wie von innen beobachtet. Ihre momentanen und erinnerten Körperempfindungen verbindet sie mit figurativen Bildvokabeln und gefühlten Farben. Maria Lassnig: „Ich zeichne oder male ein Bild in einer bestimmten Körperlage: zum Beispiel sitzend, aufgestützt auf einem Arm, fühlt man das Schulterblatt, vom Arm selbst nur den oberen Teil, die Handteller, wie die Stützen eines Invalidenstocks.“