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Detail

Blossfeldt, Karl
Blumenbachia Hieronymi. Geöffnete Samenkapsel, 8-fach vergrößert, 1900 - 1928
© mumok
Objektkategorie Allgemein
Objektbeschreibung S/W Fotografie
Maße
Objektmaß: Höhe: 42,9 cm, Breite: 32,4 cm, Höhe: 26 cm, Breite: 20,6 cm
Inventarnummer G 477/11
Erwerbungsjahr 1977
Creditline mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
Rechteverweis Gemeinfrei | public domain
Weitere Infos GND

Es ist eine Abfolge von schwarz-weiß Fotografien, die alle im gleichen Format eines zeigen: Ornamente. Spiralen, Kreise, Schuppen hängen nebeneinander und irgendwie ahnt man, dass die Serie hier noch nicht zu Ende ist. Bei näherem Hinsehen fällt Ihnen sicherlich auf, dass es sich um vergrößerte Pflanzenteile handelt. Sie sind mit ihren botanischen Namen in Latein bezeichnet. Vor monochromem Hintergrund und mit einer immer gleichen neutralen Lichtquelle sehen diese Fragmente der Flora fast unnatürlich aus. Die bis zu 45-fache Vergrößerung erzeugt zusätzlich einen verfremdenden Effekt. Karl Blossfeldt hatte seine Fotografien ursprünglich als unterstützende Unterrichtsmaterialien verwendet. Er setzte sie seit etwa 1898 als Lehrmaterial ein. Schülern und Schülerinnen am Kunstgewerbemuseum in Berlin wurden die Pflanzenformen vorgeführt. Die Fotografien zeigten, so Blossfeldt, Urformen der Natur. Nach seiner Vorstellung hat demnach jedes Ornament in der Kunst seine Quelle in der Natur. Diese sollte studiert und abgezeichnet werden, daraus sollten die Studierenden im Anschluss eigene Formen entwickeln. Die Technik der Fotografie stellte sich als Glücksfall für dieses Vorhaben dar, denn eine große Menge an Materialien konnte sehr platzsparend und ohne konservatorischen Aufwand aufbewahrt werden. Blossfeldt fotografierte zu diesem Zweck über 30 Jahre lang und es entstanden an die 6000 Aufnahmen. Der Galerist Karl Nierendorf erkannte die ästhetischen Qualitäten der Fotografien und zeigte eine Auswahl 1926 in einer Ausstellung. 1928 veröffentlichte Blossfeldt 120 Aufnahmen im Band „Urformen der Kunst“. Der Kunsttheoretiker Walter Benjamin schrieb dazu in seiner Buchrezension: „Ob wir das Wachsen einer Pflanze mit dem Zeitraffer beschleunigen oder ihre Gestalt in vierzigfacher Vergrößerung zeigen – in beiden Fällen zischt an den Stellen des Daseins, von denen wir es am wenigsten dachten, ein Geysir neuer Bildwelten auf.“