Donnerstag, 29. Jänner 2026, 18 Uhr
Vortrag: David J. Getsy
Illegitimate Heirs: Queer Artists’ Claims on the Modernist Canon
Der Vortrag zeichnet die Effekte des performativen Verwandtschaftsanspruchs (im Sinne einer genealogischen Filiation) queerer Künstler*innen auf bedeutende (heterosexuelle) modernistische Künstler*innen nach und untersucht, wie solche Ansprüche Debatten über künstlerische Autorität, Autonomie, Genealogie und darüber, was Kunst ihrem Anspruch nach soll, anstoßen. 1989 bot der Künstler Scott Burton (1939–1989) in den ehrwürdigen Räumen des Museum of Modern Art eine subversive Lesart Constantin Brâncușis an, und von 2018 bis 2020 führte Adam Milner (geb. 1988) eine Reihe konzeptueller Performances im Clyfford Still Museum durch, das eigens dem Werk des Abstrakten Expressionisten gewidmet ist. Während diese musealen Interventionen den Anliegen ihrer modernistischen Vorgänger Rechnung trugen, warfen sie zugleich Fragen nach normativen Werten, künstlerischer Autonomie, intergenerationellen Einflüssen und in der Moderne auffindbaren queeren Potenzialen auf. Im Vortrag werden die beiden Episoden herangezogen, um zu prüfen, ob queere Verwandtschaftsansprüche als eine Form des Revisionismus verstanden werden können, die den Kanon zugleich wieder aneignen und verändern. Queere Verwandtschaftsansprüche (und die durch sie ausgelösten Vorwürfe der Illegitimität) bringen die Grenzen des Angemessenen an die Oberfläche und stellen die Geltendmachung von Autorität bei der Formierung von Kunstgeschichte(n) grundlegend infrage.
David J. Getsy hat die Eleanor Shea Professur für Kunstgeschichte an der University of Virginia inne. Sein jüngstes Buch Queer Behavior: Scott Burton and Performance Art (2022) wurde mit dem Robert Motherwell Book Award für eine herausragende Veröffentlichung zur Geschichte und Kritik der künstlerischen Moderne ausgezeichnet. Zu seinen weiteren Publikationen zählen Abstract Bodies: Sixties Sculpture in the Expanded Field of Gender (2015), Rodin: Sex and the Making of Modern Sculpture (2010) sowie Queer (2016), eine Sammlung von Künstler*innenschriften. Er erhielt kürzlich ein Guggenheim-Stipendium für das Jahr 2025 zur Unterstützung seines neuen Buchprojekts Street Addresses: Performing the Queer Life of the Street in 1970s New York.
Der Vortrag ist Teil des Study Day Programms New Approaches to Performance Art 2026, organisiert von Christoph Chwatal, David Misteli, Katrin Pirner und Sophia Rohwetter (Universität Wien) in Kooperation mit der Österreichischen Ludwig-Stiftung, dem mumok und der Kontakt Sammlung.
Donnerstag, 29. Jänner 2026, 18 Uhr
Veranstaltungsort: mumok kino
Der Eintritt zur der Veranstaltung ist frei, benötigt wird lediglich die Online-Anmeldung für ein Ticket.
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt.