Ausstellung |
14. November 2026 bis 4. April 2027
Push and Pull: A Furniture Comedy
Kuratiert von Vanessa Joan Müller und Matthias Michalka
„Jede*r kann einen Raum finden oder bauen, ganz gleich welchen Aussehens, welcher Größe, Proportion und Farbe, ihn dann möblieren, vielleicht einige Dinge anstreichen oder alles. Alle anderen können dann (…) die Dinge neu arrangieren und nach Belieben umgestalten. Jeden Tag wird sich etwas verändern.“
Allan Kaprow, Push and Pull. A Furniture Comedy for Hans Hofmann
Allan Kaprows „Möbelkomödie“ Push and Pull. A Furniture Comedy for Hans Hofmann, 1963 entstanden, lädt dazu ein, gemeinsam darüber nachzudenken, was ein Museum sein kann und sein will – ein Ort, an dem Dinge betrachtet, aber auch aktiviert und verändert werden können. Die Arbeit bildet den Ausgangspunkt einer neuen Sammlungsausstellung im mumok, die gezielt Werke versammelt, deren Status in der Schwebe bleibt: Kunstwerk oder Gebrauchsgegenstand? Betrachten oder benutzen? Störfaktor oder Einladung?
Einen Schwerpunkt der Sammlung des mumok bilden Werke jener Generation von Künstler*innen, die in den 1960er-Jahren, vor allem in Europa und den USA, das Museum als Ort des Sammelns und Bewahrens herausforderte und den Objekt- und Warencharakter der Kunst infrage stellte. Die Betrachter*innen wurden oft direkt angesprochen oder als Vollendende eines Werks eingeladen, dieses zu berühren und zu verändern. Teilhabe war dabei kein harmloses Mitmachen, sondern eine Aushandlung, die Reibung und Unsicherheit impliziert. In diesen Werken durchdringen sich Kunst und Leben, und in ihrer Unruhe spiegeln sich die Spannungen ihrer Entstehungszeit.
Für Allan Kaprow, der als Begründer des Happenings gilt, war der Ereignischarakter des Alltäglichen von zentraler Bedeutung. Sein Werk Push and Pull. A Furniture Comedy for Hans Hofmann steht im Zentrum dieser Ausstellung: eine ebenso performative wie partizipative Installation, die sich durch die gestaltenden Eingriffe des Publikums immer wieder aktualisiert. Die Besucher*innen dürfen Möbel und Gegenstände innerhalb eines vorgegebenen Raums zu neuen Konstellationen arrangieren. Jede ihrer Ausführung ist Teil dieses offenen Werks, das stets andere Formen annimmt. Das „Drücken“ und „Ziehen“ bedeutet hier auch eine Neuverteilung der Rollen: Die Kurator*innen, die den Raum „einrichten“, werden zu Künstler*innen, und die Besucher*innen, die mit diesem Material eine Installation „komponieren“ und immer wieder verändern, zu Kurator*innen. Zentral ist zudem die Frage der Lebendigkeit: Kaprows Arbeit wurzelt zwar in den 1960er-Jahren, enthält aber die ausdrückliche Anweisung, dass jede Neuinszenierung das Werk neu erfinden muss. Die aktuelle Version trägt auch deshalb einen Geist und eine Freiheit in sich, die Kunstgeschichte und Gegenwart verbinden.
Als Ausstellung ist Push and Pull: A Furniture Comedy Teil einer umfangreicheren Auseinandersetzung mit Formen der Aufmerksamkeit. Neben Terminal Piece, wo das Sehen im Zentrum steht, und Verena Paravels Ausstellung Exuviae, die sich auf das Hören konzentriert, wendet sich Push and Pull: A Furniture Comedy der körperlichen Erfahrung im Raum zu: dem Berühren und selbst aktiv Werden. Für das mumok sind solche Gesten der Offenheit und eine großzügige Haltung gegenüber dem Publikum essenziell. Kaprows radikalem Plädoyer für eine Institution in Bewegung und ständiger Veränderung stehen daher Werke aus der Sammlung zur Seite, die museale Routinen sichtbar machen und Anregungen zur Mitgestaltung, zum Offenen und Kollektiven formulieren: als Einladung, Kunst und Alltag neu zu betrachten, auch über die Grenzen des Museums hinaus.
Bild: Allan Kaprow, Push and Pull. Reinvention von Allan Kaprow, mumok 2002