Freitag, 16. Oktober 2026, 19 Uhr
Jeff Preiss
STOP
Screening
Zwischen 1995 und 2011 drehte Jeff Preiss 2.500 Rollen 16-mm-Film nach den Konventionen des Home-Movies, wandte dabei aber zugleich Regeln und Techniken an, die er als einflussreicher Kameramann entwickelt und verfeinert hatte. Durch rigorose Montage und die Beibehaltung der Chronologie direkt in der Kamera entstand daraus der Film STOP.
STOP durchläuft eine Vielzahl von Themen – den Alltag einer Familie, die Gründung und dreijährige Programmgeschichte der Orchard Gallery, eine von Rem Koolhaas in Auftrag gegebene Studie zur architektonischen Kinematografie, die erschütterte Atmosphäre New Yorks nach dem 11. September. Preiss gliedert die Bildsequenzen präzise in vier halbstündige Programme, die jeweils durch die Rollennummern des Filmmaterials aus dem Labor zu einem Index verbunden werden.
Im Spannungsfeld zwischen dem Persönlichen und dem Strukturellen bemerkt Preiss: „Im Zentrum steht nach wie vor mein Kind.” Wir sehen Isaac Preiss über sechzehn Jahre heranwachsen – in alltäglichen Szenen seiner Jugend, während der Film zugleich in die Räume seiner inneren Welt vordringt – und werden dabei Zeug*innen der Fragen und Erfahrungen, die mit einer Veränderung seines Geschlechtsausdrucks einhergehen.
Diese Vorführung knüpft an die Themen von Kindheit und Wandlung an, die Tolia Astakhishvilis Ausstellung Figure of the Child verhandelt.
Programm
Jeff Preiss, STOP, 1995–2012, 120 Min.
Einführung und Gespräch mit Jeff Preiss und Saim Demircan.
Jeff Preiss ist ein in New York lebender Filmemacher, Kameramann und bildender Künstler, der seit den 1980er-Jahren tätig ist. Als Gründungsmitglied der experimentellen Galerie Orchard und ehemaliger Co-Direktor von Films Charas reicht sein Werk vom narrativen bis zum experimentellen Kino; seine Filme werden von den Anthology Film Archives und der Andy Warhol Foundation bewahrt. Seine Arbeiten waren international zu sehen, unter anderem am ICA, London, und im Stedelijk Museum, Amsterdam, und entstanden in Zusammenarbeit mit Künstler*innen wie Joan Jonas, Andrea Fraser, Josiah McElheny und Anthony McCall. Er war Kameramann für Bruce Webers „Let's Get Lost” (1989); sein 2014 entstandener Spielfilm Low Down wurde mit dem Sundance-Preis für die beste Kamera ausgezeichnet. Preiss sitzt im Vorstand von Light Industry; sein gemeinsam mit dem Künstler Josiah McElheny realisierter Film „The Secret World” (2023) wurde 2024 im MoMA gezeigt.
Saim Demircan ist Kurator und Autor. Derzeit promoviert er an der Kingston School of Art und ist Künstlerischer Leiter von INCURVA in Trapani, Sizilien. 2017 war Demircan Stipendiat des kuratorischen Residenzprogramms Ludlow 38 des Goethe-Instituts New York, zwischen 2012 und 2015 Kurator am Kunstverein München. Zuvor kuratierte er ein zweijähriges Programm an Off-Site-Projekten an der Focal Point Gallery in Southend-on-Sea sowie eine Ausstellung mit Arbeiten von Kai Althoff. Zuletzt organisierte er eine Ausstellung von Jeff Preiss' „Orchard Documents” im Cell Project Space, London.
Die Teilnahme am Screening ist frei, benötigt wird lediglich die Online-Anmeldung für ein Ticket.
Bitte beachten Sie, dass der Einlass nur mit einem vorab gebuchten, kostenlosen Ticket möglich ist, es gibt keine Abendkassa.