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  • Joseph Beuys

Tür

1954/1956
Verbrannte Holztür mit Hasenohren und Reiherschädel
210,00 cm x 108,00 cm x 10,00 cm
ehemals Sammlung Hahn/Former Hahn Collection, Köln/Cologne erworben/acquired in 1978
Inventarnummer: P 109/0

Joseph Beuys in einem Interview:
„Das ist eine verbrannte Tür aus einem Atelier, das ich in der Zeit von 1951 mit meinem Freund, dem Dichter Adam Reinhard Lünen, in Heerdt bei Düsseldorf bewohnt habe. Diese Tür ist nicht von mir verbrannt worden, sondern sie ist durch eine Explosion im Hause so bearbeitet, also verbrannt worden. Als ich dann aus diesem Atelier, um 1958, auszog, habe ich diese Tür mitgenommen und lediglich zwei Requisiten an diese Tür gehängt. Es handelt sich um zwei Hasenohren und einen Reiherschädel, also anatomische Bestandteile von Tieren, die später bei meinen Aktionen eine gewisse Bedeutung haben.“
So Joseph Beuys.
Der Düsseldorfer Künstler lehnte die verkohlte Tür an die Wand des Ausstellungsraumes, und die schwarzen, gebrochenen Linien erinnern beinahe an die Oberfläche alter Ölgemälde, an den Craquelé-Effekt klassischer Malerei.
Beuys stellte hier ein dem Alltag entnommenes, gefundenes Objekt, ein Objet trouvé, aus. Augenscheinlich hat ein Brand dieses Holz zerstört, und die Flammen haben ihre Spuren hinterlassen. Die verkohlten Überreste sind aber mehr als nur ein konkretes Relikt. Sie verweisen darüber hinaus auf die prinzipielle Zerstörungskraft von Feuer, auf eine archetypische Vorstellung der Zerstörung und Erneuerung.
Tierpräparate, wie hier der Reiherkopf und die Hasenohren, finden sich in den Installationen von Joseph Beuys immer wieder. Allerdings sind sie nicht mit Glücks- oder Schutzbedeutungen belegt, wie man sie aus dem Volksglauben kennt. Und selbst abergläubische Menschen tragen kaum noch Hasenpfoten mit sich herum. Die Hasenohren und der Reiherkopf wirken wie aus einer Vor- oder Urzeit stammend, aus einem mythischen Zeitalter.
Beuys überlässt es uns, aus seinen Installationen Deutungen herauszulesen, und behält dennoch immer die Fäden in der Hand. Seine Arrangements und Setzungen sind keine willkürlichen Ansammlungen. Es sind offene Formen eines rätselhaften ästhetischen Repertoires, in dem der Künstler wie ein Schamane auftritt.