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  • Roy Lichtenstein

The Red Horseman

Der rote Reiter

1974
Öl, Magna auf Leinwand
213,00 cm x 284,00 cm
Leihgabe der Sammlung Ludwig, Aachen/On loan from the collection Ludwig, Aachen, seit/since 1978
Inventarnummer: L 138/0

Mit "The Red Horseman" paraphrasiert Roy Lichtenstein das gleichnamige Bild des Futuristen Carlo Carrà von 1913, eine Hommage an Bewegung und Geschwindigkeit. Selbst nur als Reproduktion bekannt, zitiert Lichtenstein das berühmte Original nicht mehr als wertvolles Objekt der Hochkultur, sondern als beliebig verfügbaren Teil einer banalen Massenkultur, die nicht mehr zwischen Populär- und Hochkultur differenziert. Lichtensteins Polemik gegen die Utopie des futuristischen Bildes findet ihren Ausdruck in der kommerziellen Bildsprache der Benday-Rasterpunkte, der er das Vorbild unterwirft. Im Zuge der Übertragung in unmodulierte Farben, gepunktete Schattierungen und starre Konturen friert Lichtenstein die Bewegung des Vorbilds gleichsam ein und hebt die malerische Dynamik auf. „Formal gesehen kopiere ich natürlich, aber in Wirklichkeit stelle ich das kopierte Objekt anders dar. Dabei bekommt das Original eine völlig neue Textur, es sind nicht mehr dicke und dünne Pinselstriche, sondern Rasterpunkte, eintönige Farben und starre Konturlinien. Das wirkt wie Antikunst, aber ich sehe das anders.“ Voraussetzung für die Nivellierung von Trivial- und Hochkultur sind die Reproduktionstechniken, die es erlauben, einzigartige Originale massenweise zu vertreiben. Schon 1936 prophezeit der Philosoph Walter Benjamin den Verlust der Aura, den Kunstwerke durch ihre Vervielfältigung erleiden würden. Das Ende ihrer Einmaligkeit und Originalität, die sie über das Alltägliche erhebt. Lichtensteins Werk wirkt wie eine Revision dieser These, wie der Pop Art Kritiker Lawrence Alloway konstatiert: „Roy macht das Zitieren zu einer ihm eigenen Form von Originalität.“