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  • Sylvia Sleigh

Paul Rosano in Jacobsen Chair

Paul Rosano im Jacobsen Sessel

1974
Öl auf Leinwand
132,00 cm x 142,00 cm x 3,00 cm
Schenkung Estate of Sylvia Sleigh Alloway/donation by Estate of Sylvia Sleigh Alloway 2016
Inventarnummer: MB 93/0

Entspannt sitzt der nackte junge Mann in einem roten Sessel. Er schaut halb gelangweilt, halb gelassen vor sich hin, während er porträtiert wird. Sylvia Sleigh malte hier eines ihrer Lieblingsmodelle, Paul Rosano, einen dunkelhaarigen jungen, schmal gebauten Mann, über dessen Identität nichts bekannt ist, der aber immer wieder in ihren Bildern auftaucht. Er hat es sich bei ihr zu Hause in einem ihrer roten „egg chairs“ bequem gemacht. Für diesen Sessel des Designers Arne Jacobsen, so scheint es, hatten die Malerin und ihre Modelle eine besondere Vorliebe. In vielen Porträts und Selbstporträts malte sie das Möbelstück des dänischen Designers.
Dieses Porträt aus dem Jahr 1974 gehört zu einer Serie von männlichen und weiblichen Akten der in New York lebenden Malerin. Darin paraphrasierte sie oft auch berühmte weibliche Akte von männlichen Künstlern wie Tizian, Giorgione, Ingres oder Manet. Aber: Sie tauschte die nackten Frauen gegen nackte Männer aus. Und natürlich den Maler gegen die Malerin. So entstanden genderumgekehrte Versionen klassischer Werke der Kunstgeschichte. Allerdings reduzierte Sylvia Sleigh weder ihre weiblichen noch männlichen Aktmodelle auf die Rolle von Musen oder Mätressen. Das Verhältnis scheint freundschaftlich, ungezwungen und vermeidet Stereotype der Darstellungstraditionen, in denen das nackte Gegenüber mit voyeuristischem Blick als „verfügbar“ dargestellt wird. Sie selbst sagte einmal: “I wanted to give my perspective, portraying both sexes with dignity and humanism.” Und: “It was very necessary to do this because women had often been painted as objects of desire in humiliating poses. I don’t mind the ‘desire’ part, it’s the ‘object’ that’s not very nice.”
Auch außerhalb ihrer künstlerischen Arbeit war Sylvia Sleigh feministische Aktivistin. 1972 war sie Mitbegründerin der A.I.R. Gallery, einer Galerie von Frauen für Frauen, die Künstlerinnen in New York einen Raum für die professionelle Präsentation ihrer Arbeiten gab. Die kommerzielle Galerienszene wurde damals wie heute von männlichen Künstlern dominiert.