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mumok APPetizer – Mao

mumok insider


Nicht nur für Zeiten, in denen Sie unsere Ausstellung DEFROSTING THE ICEBOX Die verborgenen Schätze der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums und des Weltmuseum Wien zu Gast im mumok nicht live erleben können: eine kleine Kostprobe aus unserer mumok APP.

Der Multimediaguide des mumok ist über iOS und Android kostenlos abrufbar und so können Sie auch von zuhause aus einen Rundgang durch die Ausstellungen unternehmen. Viel Spaß!

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Chinas Mona Lisa, so wird manchmal das Porträt von Mao Zedong bezeichnet. Wie die Fotos von Marilyn Monroe und Che Guevara gehört sein Konterfei zu den Ikonen des 20. Jahrhunderts. Das Porträt des Revolutionärs und Parteiführers wurde millionenfach verbreitet, nicht nur in seiner berühmtesten Form als Bild, das auch Andy Warhol zu einer Siebdruckserie verarbeitete, sondern in unterschiedlichsten Medien. So wurden und werden Porzellanbüsten des Gründers der Volksrepublik China immer noch massenhaft produziert. Sie stehen in der jahrtausendealten Tradition des Herrscherporträts: Vom Porträt des Kaisers, das in der römischen Antike auf jeder Münze präsent war, bis hin zu den Herrscher- und Präsidentenbildern, die bis heute in jeder Amtsstube hängen. Im Porträt des Herrschers ist der Herrscher selbst anwesend, der Ort dadurch seinem Machtbezirk zugehörig, seiner Verantwortung und Schirmherrschaft unterstellt.

In dieser Büste ist Mao ohne herrschaftliche Attribute zu sehen. Frontal gegenüber, den Blick visionär in den Himmel gerichtet, mit typischem Mao-Kragen und der immer gleichen Frisur, aber ohne Kappe oder sonstigen Hinweis auf den sozialen Status. Die große Verbreitung sorgt für das Wiedererkennen: Mit der Schlichtheit wird die transzendente Qualität des Porträtierten hervorgehoben und dieser zur übermenschlichen Figur verallgemeinert. Durch Verzicht auf zusätzliche Herrschaftsinsignien und durch die nur minimalen Änderungen im Lauf der Jahrzehnte ist sein Abbild den Einflüssen der Zeit enthoben. Mao scheint keiner besonderen Rolle verpflichtet, sondern erscheint einzig als über den Massen schwebender gottähnlicher „Führer“.

Nicht nur in China, auch im Westen fand das Bild Maos reißenden Absatz. Es wurde zum Souvenir und vor allem in der studentischen 68er-Bewegung zum Erkennungszeichen linker Gesinnung. Welche Figuren stehen bei Ihnen zu Hause herum?