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Katalog: Steve Reinke. Butter

mumok insider


Kleine (aber feine) mumok Kataloge #1

Seit 17. Juni hat das mumok wieder geöffnet – und endlich bietet sich die Gelegenheit, erneut in den vielfältigen Ausstellungskatalogen in unserem Shop zu schmökern.
Hier wollen wir Ihnen einige unserer kleineren, aber – wie wir finden – besonders feinen Publikationen vorstellen. Oft haben sie den Charakter von Künstler_innenbüchern und wurden in enger Zusammenarbeit mit (oder direkt nach dem Konzept von) Künstler_innen realisiert.



Steve Reinke. Butter

Ganz aktuell ist Steve Reinkes Buch Butter, erschienen zur gleichnamigen Ausstellung, welche noch bis 26. Oktober 2020 läuft. Der 136 Seiten starke Flexoband enthält unter anderem Reinkes Anmerkungen zu seiner jüngsten Videoarbeit An Arrow Pointing to a Hole, die in der Ausstellung eine zentrale Rolle einnimmt. „Mein Gesicht ist das wichtigste Bild in Arrow“, schreibt er da. „Deshalb hat meine Stimme viel weniger Freiheit, sich phantasmagorisch umherzutreiben. Sie ist jetzt verankert. Sie war schon immer in meinem Körper verankert, aber der Körper muss nicht sichtbar sein, um als existent zu gelten.“ Bild, Körper und Unbewusstes denkt Reinke zusammen, sein Verhältnis zu den Bildern sei ein triebhaftes, meint er: „Ich denke, je purer und einfacher ein Bild ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich es beschmutze, es begehre.“

Im Buch findet sich dann auch eine Reihe seiner kleinen Stickarbeiten abgebildet. Es sind bunte, abstrakte Bilder, in denen man immer wieder Landschaften oder Figurationen zu erkennen glaubt, in manchen wird ein Wort zum Bild. Wie in der Ausstellung sind sowohl Vorder- als auch die sorgfältig verarbeiteten Rückseiten der Stickereien zu sehen – in Originalgröße und größtmöglicher Schärfe reproduziert, sodass das Sehen zu einem haptischen Erlebnis wird. „Reinke hat erklärt, dass bei ihm das Unterbewusste von seinem Mikrobiom abgelöst wurde“, hält die Kunsttheoretikerin Laura U. Marks in ihrem Katalogessay zu Reinkes „Needlepoints“ fest. „Somit ist die Quelle dieser Bilder auch nicht die Welt selber, sondern die wimmelnde Gemeinschaft der Mikroben. Ich kann mir Reinke gut vorstellen, wie er geduldig stickt, bewusst eine ästhetische Entscheidung ausführt, um maximale Bedeutungslosigkeit zu erzielen, allerdings – wie er festhält – in Schönheit.“

Ein ausführliches „Glossar“, das Kerstin Stakemeier und Samo Tomšič für Steve Reinke. Butter erstellt haben, kreist ebenso um das Unbewusste, um Begehren, Tod und Innerlichkeit und nicht zuletzt um den Körper und das Selbst – sowie deren aktuelle Projektionen und Repräsentationen. „Not all of us can be alive at the same time“, liest man auf einem der zahlreichen, auf handschriftlichen Notizen basierenden Textbilder Reinkes in der Ausstellung, die sich zur Gänze im Katalog wiederfinden. Nicht alle von uns können gleichzeitig am Leben sein.

Ines Gebetsroither