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Julian Turner. warum nicht

Kapsch Contemporary Art Prize 2017

Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Turner (geb. 1985 in Hamburg) ist der zweite Preisträger des Kapsch Contemporary Art Prize, einer Auszeichnung zur Förderung junger Künstler_innen mit Lebensmittelpunkt in Österreich, die 2016 von der Kapsch Group gemeinsam mit dem mumok ausgelobt wurde. Der Preis ist mit 5.000 Euro sowie einer Einzelausstellung im mumok dotiert, zu der eine Publikation erscheint. Zusätzlich wird eine Arbeit oder eine Werkgruppe durch die Kapsch Group für die Sammlung des mumok angekauft. 

Im Rahmen seiner ersten musealen Ausstellung mit dem Titel warum nicht setzt sich Julian Turner auf pointierte und humorvolle Weise mit dem Begriff des Displays, musealen und nicht-musealen Präsentationsformen sowie mit unterschiedlichsten Sammlungsprozessen auseinander. Andeutungen öffentlicher Räume wie des Brüsseler Nordbahnhofes oder des Berliner Alexanderplatzes erhalten Einzug in den „cleanen“ White Cube. Dabei stehen Fragen wie: „Was sammeln wir, wie sammeln wir und warum sammeln wir? Wie und was stellen wir aus? Oder warum eigentlich nicht?“ im Mittelpunkt der Ausstellung. Die Imperfektion sowie das Spiel mit dem Unprätentiösem und Vorgefundenem ist Turner dabei stets ein Anliegen. „Das Kaputte ist immer ehrlicher, man kann es mehr verstehen“, so der Künstler. 

Seiner Personale verleiht er, einem ausgestellten Objekt gleich, eine Schau- und eine Rückseite. Dem Element des Unperfekten räumt er genausoviel Platz ein wie der polierten Präsentationsseite. Eine Choreografie aus klassischen Werk- und Displayformen mit Schaukästen, Objekten auf Sockeln, Bildern mit dem Standardformat 70 x 100 cm ergänzt Turner um eine Abstellkammer, in die er über Materialreste all das hineinstopft was einzig für den Auf- und Abbau Verwendung fand. Dadurch fügt der Künstler dem institutionalisierten, musealen System aus Selektion und hierarchischen Strukturen etwas Diffuses, Irrelevantes und Chaotisches hinzu. Dahinter verbirgt sich ein Spiel mit der Erwartungshaltung der Betrachter_innen, die von der Existenz einer Abstellkammer im Museum sehr wohl wissen, diese bei ihrem Besuch aber stets ausblenden.