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Ingeborg Strobl – Publikationen als Kunstwerke

mumok insider


Ingeborg Strobl – Publikationen als Kunstwerke

Für Ingeborg Strobl waren Kataloge, Folder, Plakate oder Einladungskarten zentrale Bestandteile ihres Œuvres. Sie betrachtete solche Drucksachen nicht als bloße Begleitmedien zu ihrer Kunst, sondern widmete ihnen mindestens so viel Aufmerksamkeit wie allen anderen Arbeiten – und verknüpfte sie auch mit ihnen. Als Absolventin des Grafikstudiums an der Angewandten ging sie mit Typografie, grafischem Layout und der Materialität von Papieren oder anderen Bildträgern äußerst professionell um und war zugleich eine gnadenlose Kritikerin all jener, deren oberflächliche Beziehung zu diesen Dingen sie sofort durchschaute. Im Grunde waren Publikationen und Ephemera für sie ein erweiterter Bild-, Sprach- und Ausstellungsraum, der auch eine andere Flexibilität als starre Raumvorgaben ermöglichte. Man findet in ihren Malerei-Foto-Collagen ähnlich surreal-hyperwirkliche Motivkombinationen wie in den „Drucksachen“, und es ist besonders eine spezielle Mischung aus scharfsinnig kritischem Intellekt und abgründigem Witz, der sich durch die unterschiedlichen medialen Ausformungen ihres Werks zieht.

Unter den Publikationen gibt es eine Reihe schmaler, einfach geklammerter Hefte, etwas größer als Din-A4-Format, die es buchstäblich in sich haben. Anlässlich von Ausstellungen, aber mitunter auch unabhängig davon produziert, enthalten sie, collagenartig komponiert oder auch mit fotografischen Gegenüberstellungen operierend, textbestückte Bilderfolgen, die der Welt der Reklame wie auch den üblichen gesellschaftlichen Verdrängungen einen ungeschminkten Spiegel vorhalten. So konfrontiert Strobl etwa dem menschlichen Hang zur Verniedlichung alles Tierischen die beinharte Realität inhumaner Tierverwertung in der Lebensmittel- oder Kosmetikindustrie. Dass die Welt keine einfache, sondern eine zutiefst widersprüchliche und oft auch verlogene ist, ist eine der Wahrheiten, die man hier erfahren und erschauen kann. Auch den Blondinenwitzen und anderen sexistischen Männlichkeitsallüren ist ein solches Heft gewidmet. Dass man auch Witze ins Lächerliche ziehen kann und sollte, um so die weniger lustigen Triebfedern dahinter offenzulegen, ohne gleich einem Bierernst zu erliegen, macht Strobl ebenfalls mit feiner Ironie klar. Da wundert es auch nicht, dass sie am Ende ihres Heftchens den ehemaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil zitiert, der einmal Folgendes über sie sagte: „Frau Strobl liebt die Polarisierung zwischen den Themen Natur, Kreatur und Kunst. Das ist Zeitgeist.“ Diese typische Formulierung aus einem Politikervorwort wird nun selbst Bestandteil eines bibliophilen Kunstwerks, das – unter kuscheligen Tierbildern – noch weitere bemerkenswerte „Witze“ enthält, wie etwa den folgenden: „Frage: Wenn ein Mann bis zum Bauch im Wasser steht? Antwort: So geht es über seinen Verstand.“

„Heftchen“ – also Kunstwerke – wie dieses sind neben weiteren Publikationen der Künstlerin während der Laufzeit ihrer Ausstellung im mumok shop zu günstigen Preisen erhältlich.

Rainer Fuchs

Ausstellung

Publikation