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Historicizing the Avant-Garde

Tagung zur Ausstellung to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer. Künstlerische Praktiken um 1990 am Samstag, 23. Jänner 2016

Donnerstag, 14. Januar 2016

Als Erweiterung der Ausstellung to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer. Künstlerische Praktiken um 1990 geht die Tagung den museologischen und kuratorischen Herausforderungen in Zusammenhang mit der Historisierung und Repräsentation avantgardistischer Kunstpraktiken nach. Dabei erörtert sie die philosophischen und kritischen Implikationen, die mit einem solchen Unterfangen verbunden sind.

Traditionellerweise werden Avantgarde und Historizität als strikte Gegensätze aufgefasst. Die Avantgarde „überwindet“ gleichsam die Fesseln der Geschichte und will so Kunst und Leben in unmittelbarer Weise wieder versöhnen. Jeder Versuch der Historisierung von Avantgardebewegungen muss sich daher des impliziten Widerspruchs klar sein, dass das, was historisiert wird, sich niemals als Geschichte, vielmehr jenseits aller Historizität sehen wollte. Die Institutionalisierung einer „Bewegung“ verschärft die Situation, denn dadurch werden Geschichte und Institution miteinander geradezu gleichgesetzt. Doch bereits seit Beginn der 1970er-Jahre sind Historisierung und Lokalisierung selbst zu avantgardistischen Anliegen geworden und können für den Zeitraum der frühen 1990er-Jahre gar als der wesentliche Aspekt im Selbstverständnis der künstlerischen Praktiken begriffen werden. Wie jedoch lassen sich diese, an ihrer jeweiligen Form von Geschichtlichkeit und Lokalität ansetzenden Zugänge aus historischer Distanz, das heißt, an anderen Orten und in institutionellen Kontexten selbst wiederum historisieren und lokalisieren? Jede historische Annäherung sieht sich zuallererst konfrontiert mit dem Fehlen der Spezifität eben jener Umstände, welche nur über Mittel der Information und Gestaltung rekonstruierbar sind. Diese Mittel selbst stellen jedoch bereits solche der Transformation einer Avantgarde in institutionalisierte Formen des Wissens dar. Wie können wir also im Museum über eine Avantgarde oder eine Bewegung sprechen? Welche Narrative stehen uns zur Verfügung, um die Geschichte von Spezifitäten und die Kontinuitäten von Zäsuren nach zu verfolgen? Und welches Verhältnis besteht zwischen Praxis und Objekt, Werk und Recherche, Information und Display?

Mit: Alexander Alberro, Eva Birkenstock, Catherine Chevalier, Helmut Draxler, Christian Höller, Ilse Lafer, John Roberts, Jakob Schillinger, „gruppe“ „parasites“