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Ein Balkon für das mumok

DER ITALIENER

Donnerstag, 25. September 2014

Für ihre bisher umfangreichste Einzelausstellung in Österreich belässt es die Künstlerin Cosima von Bonin nicht dabei, ihre Werke ausschließlich im Inneren des mumok zu zeigen. Noch vor der großen Eröffnung am 3. Oktober hat sie am 25. September 2014 vor dem großen Panoramafenster an der Front des Hauses einen Balkon anbringen lassen. 

Von Bonin hat ihre ursprüngliche Idee, auf dem Dach des Museums eine Rakete in Position zu bringen, auf der ein sich übergebendes Küken reitet, zugunsten eines einfachen Balkons, so wie er oft an Fassaden von Ein- und Mehrfamilienhäusern zu finden ist, aufgegeben. Auf die Nachfrage, weshalb sie sich anstelle der von Weitem sichtbaren Rakete, für die erst auf den zweiten Blick sichtbare Sonnenterrasse entschieden habe, antwortete von Bonin, die sich bekanntermaßen mit Interpretationen ihres eigenen Werks zurückhält, kurz und knapp: „Ich fand schon immer, dass das Museum einen Balkon haben sollte.“ 

Auf dem Balkon steht eine etwas hölzern und angespannt wirkende Figur. Sie erinnert in keinster Weise an die auf Hochsitzen und anderem Mobiliar herumlungernden, vor Erschöpfung und Müßiggang zusammengesunkenen Kreaturen, die ab 4. Oktober hinter dem großen Fenster, hinter ihrem Rücken also, zu Scharen das Museum besetzen werden. Von Bonin nennt sie DER ITALIENER – in Anlehnung an den gleichnamigen Film des österreichischen Filmemachers Ferry Radax von 1972, der nach einem Drehbuch von Thomas Bernhard entstand. Dieser „Italiener“, von einer eher mageren Statur, steht da mit einer Mischung aus forscher Grandezza und introvertierter Zurückgezogenheit, vor allem aber als auseinandersetzungsfreudiger Unruhestifter, eine Art Agent Provocateur. Ihm wird schlecht, und er muss sich übergeben. Ob er das tut, weil ihm die Höhe zu schaffen macht, er die Nase von seinem Joch und sich endgültig voll hat, oder sich gegen Cosima von Bonin auflehnt und deshalb ihrer Ausstellung den Rücken kehrt, bleibt den Mutmaßungen der einzelnen BetrachterInnen überlassen.