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Das Online Film Festival von Lisl Ponger

mumok insider


Anfang April, kurz nachdem sich der Lockdown über ganz Europa zu erstrecken begann, startete das von Lisl Ponger gestaltete Online Film Festival, das die Künstlerin auch aktuell noch wöchentlich ergänzt (immer donnerstagabends). Eingeladen von Hundred Heroines, einer in London ansässigen Institution, die sich dezidiert Frauen widmet, die im Bereich der Fotografie und bildenden Kunst tätig sind, stellt Ponger Material zusammen, das online gesichtet werden kann. Die thematischen Kompilationen tragen Titel wie Liberating the Mind, Hair Stories oder Poetry, reagieren aber auch auf aktuelle Geschehnisse, so etwa #BlackLivesMatter, On Racism oder Struggling to Safety. Historische und zeitgenössische Positionen wie Alice Guy-Blaché, Maya Deren oder Coco Fusco werden in einen Dialog gebracht mit Stimmen von Margaret Atwood, Naomi Klein oder Nicki Minaj, um nur einige zu nennen.

Lisl Ponger hat in ihrer künstlerischen Praxis immer wieder unterschiedliche Formate gewählt: Neben zahlreichen Ausstellungs- und Festivalbeteiligungen widmet sie sich auch der kuratorischen Auseinandersetzung: So hat sie etwa 1988 im Museum des 20. Jahrhunderts (heute mumok; im damals sogenannten 20er Haus ist inzwischen das Belvedere 21 beheimatet) das Filmprogramm Die Schatten im Silber veranstaltet, das übrigens paritätisch weibliche und männliche Positionen vorstellte. 25 Jahre später gestaltete Ponger im mumok kino im MuseumsQuartier zwei Abende: Weltvermessungen und Repräsentationsfalle – ihr Interesse für fremde Kulturen und ihr kritisches Bewusstsein für Fragen der Darstellung klingen hier programmatisch an. Mit ihrem (fiktiven) Museum für fremde und vertraute Kulturen, das sie in Institutionen wie der Secession (2014) oder auch dem Weltmuseum (2017–2019) in Wien präsentierte, führt sie diese kuratorische Praxis weiter und thematisiert dabei nicht zuletzt den institutionellen Kontext. Fragen, die bereits in Filmen wie déjà vu (1999) oder Phantom Fremdes Wien (1991–2004) auftauchen – ob als Auseinandersetzung mit „fremdem“, gefundenen Material, das neu arrangiert wird, oder dem Anderen in unserer unmittelbaren Umgebung –, stellt Ponger immer wieder, indem sie (auch ihre eigene Rolle) kommentiert und aktualisiert.

Naoko Kaltschmidt