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COPE – Community Arbeit, Partizipation und Empowerment

mumok insider


Interkultureller Dialog im mumok

Das mumok ist ein Ort der Begegnung, wo Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Communities und Gesellschaftsschichten zusammenkommen und gemeinsam an künstlerischen Aktivitäten teilnehmen. Mit dem Projekt COPE wollen wir Hass und Vorurteilen entgegenwirken. Im Fokus dieser Begegnungen stehen Dialog und Austausch, verbal oder auch nonverbal, über Kunstwerke und Ideen künstlerischer Arbeit.

Wir haben Methoden entwickelt, um gemeinsam zu arbeiten, zu reden und einander besser kennen- und verstehen zu lernen. Eines unserer Projekte ist WeltBilder, das bereits seit 2015 monatlich im mumok stattfindet. WeltBilder ist eine offene Kunstwerkstatt, die Menschen jeder Herkunft, mit und ohne Migrationshintergrund, einen kreativen Ort der Begegnung und des Austausches ermöglicht.

Alfred Schön, Leiter des Referats Minderheitenkontakte der Landespolizeidirektion Wien, hat bereits des Öfteren daran teilgenommen und teilt in diesem Beitrag seine persönlichen Erfahrungen.


Mein mumok

„Sieht aus wie ein Bunker für Kunstwerke.“ Das war mein erster Gedanke, als ich das Museum moderner Kunst kurz nach dessen Eröffnung im Herbst 2001 zum ersten Mal sah.

In dem weitläufigen Areal war ich seit längerer Zeit nicht gewesen, genauer gesagt, seit einem Konzertbesuch in den 1990er-Jahren, denn auf diesem Gelände stand auch einmal eine relativ moderne Konzerthalle. Die alten Gebäude der ehemaligen Hofstallungen aber waren in einem augenscheinlich nicht sehr guten Zustand, und wo heute Gastronomiebetriebe und bunte Hofmöbel zum Chillen einladen, befand sich eine bessere „Gstettn“, die als Parkplatz genutzt wurde. 

Das mumok faszinierte mich jedenfalls bereits bei meinem ersten Besuch. Ich kann mich zwar nicht mehr an die erste Ausstellung erinnern, sehr wohl aber an meine Eindrücke, als ich das futuristisch gestaltete Treppenhaus betrat. Für mich sah es aus wie das Innere eines Raumschiffs, genauer gesagt wie ein Borg-Kubus aus dem Star-Trek-Universum (einem solchen Kubus ähnelt ja auch die äußere Erscheinung des mumok ein bisschen). Speziell die Verbindungsgänge zwischen den Sälen mit den Aufzügen und dem breiten Lichtschacht fand ich sehr spacig. Kurzum: Ich hatte in Wien ein neues Lieblingsmuseum, bevor ich darin auch nur ein einziges Ausstellungsstück zu Gesicht bekam.

Bis heute mag ich an den Ausstellungsräumen, dass die Besucher*innen sehr viel Platz haben – Platz, der auch großformatigen Bildern und anderen Exponaten genügend Raum lässt. Andererseits findet man immer wieder kleinere Nischen, die man auf den ersten Blick oft gar nicht wahrnimmt, und in denen sich manchmal, aber nicht immer, auch ausgestellte Objekte befinden.

Zum mumok habe ich aber nicht nur eine private, sondern auch eine berufliche Verbindung: Ich arbeite im Referat Minderheitenkontakte der Landespolizeidirektion Wien. Dieses Referat stellt ein Bindeglied zwischen zugewanderten Menschen und der Polizei dar. Neben einigen anderen Projekten führen die Mitarbeiter*innen des Referats immer wieder Museumsbesuche mit (meist jungen) Menschen durch, die aus Ländern wie Afghanistan, Tschetschenien oder Syrien stammen. Für manche der Teilnehmer*innen ist es der erste Museumsbesuch ihres Lebens.

Im mumok hat das Referat diese Veranstaltungen manchmal auch gemeinsam mit der MA17 (Integration und Diversität) und dem Projekt Kompa der Caritas durchgeführt. Im mumok gibt es nämlich das Format WeltBilder, das sich für einen ersten Kontakt mit einem Museum beziehungsweise mit moderner oder zeitgenössischer Kunst sehr gut eignet und auch Menschen mit Migrationshintergrund ansprechen soll. Der Eintritt ist kostenlos, nach einer Gesprächsrunde zum gegenseitigen Kennenlernen gibt es eine von Kunstvermittler*innen des mumok begleitete Führung durch eine aktuelle Ausstellung. Anschließend dürfen die Besucher*innen selbst künstlerisch tätig werden. Die Arbeitsutensilien werden vom Museum zur Verfügung gestellt. Die gesamte Veranstaltung läuft sehr wertschätzend und unkompliziert ab und macht den Teilnehmer*innen immer sichtlich Freude. Vor kurzem habe ich erfahren, dass eine junge Frau aus Afghanistan durch diese Veranstaltung so inspiriert wurde, dass sie nun begonnen hat, auch zu Hause Bilder zu malen.

Neben diesen Besuchen sind derzeit zwei weitere Projekte in Planung, die vom mumok gemeinsam mit dem Referat Minderheitenkontakte im Rahmen des EU Projekts COPE durchgeführt werden – sobald es die Corona-Situation zulässt. Ich freue mich drauf!


Alfred Schön ist Polizist und studierte Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Er ist Leiter des Referats Minderheitenkontakte der LPD Wien. Das Referat unterstützt zugewanderte Menschen bei ihren Integrationsbemühungen, möchte deren Vertrauen in die Polizei stärken und Vorurteile abbauen.