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Christo, Wrapped Mannequins on a Bed, 1963

mumok collects


Christo

Wrapped Mannequins on a Bed, 1963

In Folien verpackte Schaufensterpuppen auf Bett
90 × 220 × 145 cm
Ehemals Sammlung Hahn, Köln, erworben 1978

Am 31. Mai 2020 starb Christo, ein Künstler, der mit dem mumok insbesondere durch die Sammlung Hahn, die 1978 ans Haus kam, verbunden ist. Den Sammler Wolfgang Hahn interessierten als gelernten und praktizierenden Restaurator nicht zuletzt ungewöhnliche, in der Kunst neu verwendete Materialien und Techniken, aber auch das Ephemere und Performative. So besitzt das mumok wichtige frühe Arbeiten Christos. Eine davon ist Wrapped Mannequins on a Bed aus dem Jahr 1963.

Mit der Kunstszene des Rheinlandes ist Christo seit Beginn seiner Karriere eng vernetzt. Dieter Rosenkranz, Sammler aus Wuppertal und Sohn eines alten Geschäftsfreundes von Christos Vater, wird Ende der 1950er-Jahre zu einem der ersten Unterstützer_innen des noch unbekannten Künstlers. Rosenkranz lädt Christo, der seit März 1958 in Paris lebt, im Spätsommer nach Deutschland ein, wo er u. a. Mary Bauermeister, Günther Uecker, Joseph Beuys und – während der Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik – John Cage und Nam June Paik kennenlernt. Über Rosenkranz oder Bauermeister macht Christo wenig später auch die Bekanntschaft mit Wolfgang Hahn.

Zwei Jahre später, im Februar 1963, hält sich Christo erneut in Deutschland auf, um seine Einzelausstellung bei Alfred Schmela vorzubereiten. Während dieser Zeit lernt er auch den Fotografen und Filmemacher Charles Wilp kennen, der das Entstehen zahlreicher Arbeiten mit der Kamera festhält. Wie Hahn ist Wilp gerade dabei, eine beachtliche Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Beeindruckt von Christos Werk, lädt er ihn kurze Zeit später abermals nach Düsseldorf ein und bittet ihn um eine Arbeit für seine Sammlung. Vor kleinem Publikum entsteht so im September 1963 Wrapped Mannequins on a Bed. Eine Fotoserie zeigt, wie Christo unter den wachsamen Augen von Wilp, Schmela und anderen Gästen drei Schaufensterpuppen auf Wilps ausrangiertem Bett verschnürt.

Die Arbeit selbst ist Teil einer ganzen Serie, bei der Christo entweder Schaufensterpuppen, Statuen oder – für kurze Zeit – reale Personen verhüllt hat. Alle Werke gehen auf einen Besuch Christos im Atelier von Alberto Giacometti zurück, über den er später immer wieder mit Begeisterung berichtet hat: „Es war sensationell, denn alle seine Arbeitsskulpturen waren verhüllt, um ein Austrocknen zu verhindern. Durch das Tuch wurden die Gestalten anonym, vieldeutig. Das faszinierte mich. Mich beeindruckte, dass die Formen nicht mehr männlich oder weiblich waren. Sie waren unbekannt geworden. […] Ich benutzte viele Schichten durchsichtiger Folie. Einige Formen wurden dadurch sichtbar, andere unsichtbar. Man sah es an und dachte, ist das nun ein Mann oder eine Frau? Wo ist der Mund? Tuch macht alles unsichtbar, aber Plastikfolie weckt die Neugier auf das, was drinsteckt.“ (Christo, zitiert nach Burt Chernow, Christo und Jeanne-Claude: Eine Biografie, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, S. 177–179.)

Matthias Koddenberg

Aus dem Katalog Kunst ins Leben! Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre, Text gekürzt (hg. v. Barbara Engelbach, Susanne Neuburger, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2017)