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Christian Philipp Müller

Drei-Schwestern-Korridor


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Christian Philipp Müller bezieht sich in seiner Arbeit Drei-Schwestern-Korridor auf die Geschichte des Pflanzenimports als Aspekt der Aneignung fremder Kultur und Natur im Zuge kolonialer Eroberungen. Die drei Gemüsesorten Mais, Bohnen und Kürbis, deren gemeinsame Anpflanzung indianischen Ursprungs ist, werden im Rahmen einer begehbaren performativen Skulptur im Außenraum vor dem Eingang des mumok zu sehen sein. Die Arbeit stellt eine Fortführung der im Klostergarten des Stiftes Melk seit 2006 integrierten Pflanzeninstallation Die neue Welt dar.

Heute längst für heimisch gehaltene Kulturpflanzen wie Erdäpfel, Indianermais, Stangenbohnen, Kürbis, Tabak, Paprika, Zucchini oder Paradeiser bildeten die Existenzgrundlage der indigenen Bevölkerung der Neuen Welt. Manche dieser Pflanzen wurden von europäischen Invasor_innen zunächst für Zier- oder Giftpflanzen gehalten, bevor sich die Einsicht in ihre Kultiviertheit und Nutzbarkeit durchsetzte. Im Misstrauen und abschätzigen Verhalten gegenüber dieser Flora und in ihrer unangebrachten Verwendung scheinen sich auch die entsprechende Wahrnehmung, Einschätzung und Behandlung der Ureinwohner_innen durch ihre Invasor_innen widerzuspiegeln.

Müller übernimmt in Drei-Schwestern-Korridor die Rolle des Forschers und Historikers, dessen universalistischer Zugang zur Gesellschafts-, Kultur- und Kunstgeschichte eine Vergegenwärtigung von Geschichte in Form aktueller Kunst ermöglicht. Er hebt mit seiner Arbeit Prozesse der Verinnerlichung, des Vergessens und Verkennens ins Bewusstsein. Dass wir uns in Form der diversen Früchte buchstäblich immer wieder fremde Kultur einverleiben, ist nur eine durch Müllers Werk ermöglichte Einsicht. Das Verkochen und Verspeisen der zu erntenden Früchte ist Teil des Werkprozesses, der Erinnerungsarbeit unmittelbar an sinnlich-körperliches Erleben bindet.

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