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Siegfried Zaworka, Funktionale Intona, 2021

mumok live



 

Siegfried Zaworkas Wandbild Funktionale, das seit 2019 das Foyer des mumok schmückt, ist trotz seiner Ausmaße das Gegenteil eines statischen Monuments. Die surreal anmutende Landschaft mit gemalter Gebirgskette, Tannenbaum und vegetabilen Formen funktioniert wie ein Film, in dem die Betrachter*innen selbst über Blickpunkt und Rezeptionstempo entscheiden können. Nun gibt es zum Wandbild tatsächlich einen Film: Zaworka hat seine Malerei „animiert“ und mit einem eigens dafür konzipierten, live zum Film eingespielten Score vertont. Wie in der Stummfilmära, als von Einzelpersonen bediente Kinoorgeln für die gewünschte Geräuschkulisse sorgten, spielte Zaworka synchron mehrere Spuren ein. Für den Film in Szene gesetzte Motive – im Sinne von: ausgeleuchtet, in den Fokus genommen, mit der Kamera „abgefahren“ – finden akustische Äquivalente in musikalischen Motiven, wobei Bild und Ton sowohl mit- als auch füreinander operieren können.

Statische Bilder zum „Laufen“ zu bringen, hat bereits Maler*innen wie Maria Lassnig beschäftigt. Zaworka allerdings geht es weniger um eine Animation im konventionellen Sinne denn um die medial verschobene Neukonstruktion einer tradierten Seh- und Darstellungsweise. Sein Film stellt die Frage nach der Herstellung von Malerei mit anderen Mitteln: danach, wie sich Malerei selbst – als Königsdisziplin der optischen Illusion – „vortäuschen“ lässt. „Ich dachte bei der Produktion des Films an die Lebensmittelindustrie, die traditionelle Gerichte nachbaut, welche in Form, Konsistenz und Geschmack etwas signalisieren, das sie nicht sind“, so Zaworka. „Dabei steht der vergleichsweise geringen Differenz im Resultat eine nicht zu überbrückende Differenz in der Machart entgegen. Machart als Inhalt – Form als Behältnis. Wenn traditionelle Formen auf die Parameter technischer Herstellungsprozesse treffen, beginnen die Bedeutungen zu oszillieren. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass die industrielle Matrix primär sich selbst reproduziert und sich zum Zwecke ihres Fortlebens den Zugriff auf potenziell alle Formen vorbehält.“

Manuela Ammer