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Ein virtueller Ausstellungsrundgang mit Wolfgang Tillmans

mumok insider


Anlässlich der Eröffnung seiner Ausstellung Schall ist flüssig im November 2021 sprach Wolfgang Tillmans mit Kurator Matthias Michalka bei einem virtuellen Ausstellungsrundgang über einige seiner Werke. Neben sinnlichen Erfahrungen, die er mit der Kamera eingefangen hat, seinem aktuellen Album Moon in Earthlight und seiner frühen Begeisterung für Astronomie und den Weltraum waren natürlich auch einzelne Werke in der Ausstellung Thema des Gesprächs – etwa ein Bild, das seinen Titel mit dem der Ausstellung teilt: Schall ist flüssig.

Ein poetisches Paradoxon

Die Titel von Wolfgang Tillmans' Arbeiten sagen für sich genommen wenig aus, für ihn sind es vielmehr Geschmäcker, Gewürze oder mögliche Denkrichtungen: „Schall ist flüssig kam mir als poetisches Paradoxon in den Sinn. Die Idee, Töne sichtbar zu machen oder auch das Nachdenken über verschiedene Aggregatzustände waren damals sehr präsent für mich.“ Ein Besuch in tropischen Regionen regte schließlich die Entstehung des Bildes an.

Eingefrorene Bewegung

„Ich war in den Tropen und hatte einen enormen Regensturm erlebt. Und in der Dunkelheit dachte ich: ‚Ist es eigentlich möglich, Regen zu fotografieren, ohne, dass er als Striche erscheint?‘“, erzählt Tillmans. Über die gesamte Kulturgeschichte hinweg wird Regen meist in Form von Strichen dargestellt, nicht aber als einzelne Tropfen. „Hier ist es nun tatsächlich möglich, den Regen als einzelne Tropfen, gefroren in der Luft zu sehen – durch die Kamera eingefroren. Das Ganze war natürlich in Wirklichkeit ein extrem lautes Erlebnis und ein tosender Lärm. Und in dieser gefrorenen Zweitausendstelsekunde ist auch der Schall eingefroren.“

Technik und Kunst: Neue Möglichkeiten

Ein Werk wie Schall ist flüssig wäre so vor einigen Jahren technisch noch gar nicht möglich gewesen. Technische Aspekte der Fotografie stehen eigentlich nicht im Vordergrund der Arbeit von Wolfgang Tillmans, der enorme technische Fortschritt des letzten Jahrzehnts hat das aber verändert: „In den letzten zehn Jahren hat sich so vieles fundamental verändert, dass ich das auch aktiv ins Zentrum der Arbeit gestellt habe. Das Nachdenken über die Welt in Bildern ist immer auch verbunden mit der Frage nach dem WIE: Wie bilden wir die Welt ab?“

Hier geht es zum virtuellen Ausstellungsrundgang mit Wolfgang Tillmans.