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Andy Warhol APPetizer – Moon Explorer Robot

mumok insider


Nun können Sie die Ausstellung ANDY WARHOL EXHIBITS a glittering alternative wieder live erleben, ein Blick in unseren Multimediaguide lohnt sich aber in jedem Fall. Hier eine kleine Kostprobe aus unserer mumok APP.

Der Multimediaguide des mumok ist über iOS und Android kostenlos abrufbar und so können Sie auch von zuhause aus einen Rundgang durch die Ausstellungen unternehmen. Viel Spaß!

Gratis-Download im iTunes App Store und im Google Play Store erhältlich.

 

 

Moon Explorer Robot, 1983

Wie ein Ding aus einer anderen Welt, klein und niedlich und doch irgendwie befremdend: Der Moon Explorer Robot von Andy Warhol ist Teil einer Serie von Siebdrucken aus den Jahren 1982 bis 1983. Inspiration für die Toy Paintings war Warhols eigene Sammlung von Kinderspielzeug. Hier wird die Spielfigur links und rechts von dem Schriftzug „Moon Explorer“ flankiert und teilweise überlagert. Der Moon Explorer Robot ist in kräftigen Farben dargestellt: Gelb und Rot auf pinkem Hintergrund, der Schriftzug schwarz. Die Reduktion der Farbpalette erinnert an das ebenfalls in einigen wenigen Farben gehaltene originale Spielzeug. Wie zu Anfang seiner Karriere, als Warhol Campbell-Suppendosen, Brillo-Kisten und Coca-Cola-Flaschen als Motive kunstwürdig machte, zeigt er auch hier nicht das Spielzeug selbst, sondern dessen Verpackung, also die von Werbeexpertinnen und -experten gestaltete Verhüllung des Konsumprodukts. Oder: das Versprechen des Dings und nicht das Ding selbst.

1982 schlug der Galerist Bruno Bischofberger Andy Warhol vor, eine Reihe von Arbeiten für Kinder zu kreieren. Als die Werke zum ersten Mal ausgestellt wurden, trug die Ausstellung in der Zürcher Galerie den Titel Kinderbilder. Warhol hatte für diesen Anlass auch eine Tapete entworfen. Die Toy Paintings wurden so nicht auf einer neutralen weißen Galeriewand, sondern auf einem blauen, mit silbernen Fischen übersäten Hintergrund gezeigt. Außerdem hingen sie niedrig, auf circa 40 cm Unterkante, etwa in Augenhöhe von Kindern zwischen 3 und 5 Jahren. In dieser Ausstellung für Kinder mussten Erwachsene Eintritt zahlen, wenn sie die Ausstellung ohne Begleitung eines Kindes besuchen wollten. Noch dazu mussten sie in die Knie gehen, um die Arbeiten zu betrachten. Die konsequente Sabotage der ungeschriebenen Regeln der Kunstwelt und der gängigen Vorstellung eines elitären Expertentums setzte Warhol auch in dieser Ausstellung fort.

Das zentrale Motiv dieser Werke ist die Kindheit, oder genauer ein bestimmtes Ideal von Kindheit. Im 20. Jahrhundert ist dieser Lebensabschnitt in der westlichen Welt häufig mit Unschuld assoziiert. Warhol interessiert wie so oft nicht der direkte Blick auf ein Phänomen, sondern dessen mediale Vermittlung, also die Frage, wie die Idee von Kindheit durch zeitgenössische Medien bestimmt und geformt wird.