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Andy Warhol APPetizer – The Golden Slippers Show

mumok insider


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The Golden Slippers Show

Über mehrere Jahre stellte Warhol Zeichnungen in der renommierten Bodley Gallery in New York aus, darunter solche mit teilweise dezidiert homoerotischem Inhalt, unter anderem in den Ausstellungen  Drawings for a Boy-Book und A Show of Golden Pictures. 1956 fand die Golden Slippers Show statt. Warhol zeigte Bilder von Schuhen, Zeichnungen, die mit Goldpapier und Borten beklebt waren. Wie in anderen Serien ordnete er jeder Darstellung einen assoziativen Text zu, hier waren es lediglich Namen, darunter Elvis Presley, James Dean, Mae West, Truman Capote, Julie Andreas und andere. Die Darstellungen sind zierlich, der Flitter scheint sie geradezu aufzulösen und in vegetabile Formen zu verwandeln, etwa in Mrs. Richard R., ein Schuh, aus dem goldene Blüten sprießen.

Nur eines der Blätter bricht mit der Serie und zeigt zwei Schuhe. Es ist Christine Jorgensen gewidmet, der ersten Transgender-Person, die in Amerika ungeheure mediale Aufmerksamkeit erregte: "Ex-GI Becomes Blonde Beauty" war die Schlagzeile der New Yorker Daily News 1952. Jorgensen hatte sich nach dem Militärdienst einer Geschlechtsumwandlung in Dänemark unterzogen. Sie war die erste Person, durch die das Thema Transgender einer breiten Öffentlichkeit in Amerika bekannt wurde, und sie wurde schlagartig berühmt. In der Golden Slippers Show mischt Warhol sie unter die Größen der Gesellschaft und des Showbusiness und gibt ihr als einzige zwei Schuhe, zwei Pumps mit niedrigem Absatz in leicht unterschiedlicher Größe, der eine zeigt eine rechteckige Schnalle mit einem leeren ovalen Feld in der Mitte, der andere einen Putto mit Pfeil und Bogen zwischen Fleur-de-Lys-Motiven. Es gibt keine Zuordnung zu weiblich und männlich, kein Vorher-Nachher-Klischee, sondern einfach zwei Schuhe wie zwei Teile einer Persönlichkeit, mit denen Warhol Jorgensen gedenkt. Eine Doppelpersona, die eine so gut wie die andere. Warhol interessierte sich für alle Facetten geschlechtlicher Identität. Die immense mediale Aufmerksamkeit, die Jorgenson 1952 erregte, mag den schüchternen und medienscheuen Warhol bewogen haben, eigene Werke mit Transgender-Themen, wie Ladies Alphabet von 1953, nicht zu veröffentlichen, um den Reaktionen der Öffentlichkeit auszuweichen.