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  • Raymond Hains

Ainsi bafouée

So misshandelt

1959
Plakatabrisse auf Zinkblech
200,00 cm x 151,00 cm x 2,00 cm
ehemals Sammlung Hahn/Former Hahn Collection, Köln/Cologne erworben/acquired in 2005
Inventarnummer: B 997/0

„Die Malerei auf der Staffelei hat, wie jedes andere klassische Ausdrucksmittel der Malerei oder der Skulptur, ihre Zeit gehabt. Heute tut sie die letzten, manchmal immer noch großzügigen Atemzüge einer langen Alleinherrschaft.“ So stand es im ersten Manifest der Neuen Realisten. Und weiter: „Was kann man sonst anbieten? Das hinreißende Abenteuer des wirklichen Sehens […].“
Raymond Hains sah diese Forderung nach einem „wirklichen Sehen“, nach einer „unmittelbaren Ästhetik“ im urbanen Raum eingelöst. Er war voller Begeisterung für die bildliche Qualität der Plakatwände, die mit ihren zufälligen und anonymen Überlagerungen, ihren Rissen und Verwitterungen, die mit der Zeit Collageeffekte produzierten, ganz von selbst zu Bildern wurden. In diesen Plakat- und Werbeflächen sah Hains zeitgemäße Tafelbilder, die der städtischen und konsumorientierten Realität entsprachen. Er löste ganze Teile samt dem Trägermaterial heraus und brachte sie direkt, ohne weitere Eingriffe von der Straße in den Ausstellungsraum. „Mon atelier, c’est la rue!“, sagte Hains: „Mein Atelier ist die Straße!“
Auch der hier ausgestellte Abriss entstammt direkt aus einem Pariser Arrondissement. Mehrere Plakate unterschiedlichen Inhalts überlagern sich auf einem Zinkblech, und die abgerissenen farbigen Papierfetzen sowie die durchscheinende Oberfläche des Metalls fügen sich zu einem abstrakten Bild. Der Titel des Werks, „Ainsi bafouée“, zu Deutsch: „So misshandelt“, findet sich im unteren Mittelteil des Bildes.