

Der Ausgangspunkt von Matthew Buckinghams Filminstallation A Man of the Crowd ist eine kurze Erzählung Edgar Allen Poes, in der ein im Cafe sitzender Mann fasziniert einen älteren Passanten wahrnimmt und beschließt, diesem unauffällig zu folgen. Auf einer 24-stündigen Verfolgungstour, in deren Verlauf die Stadt mehrmals durchquert wird, gelingt es dem Beobachter nicht, näheres über 'den Mann der Menge' in Erfahrung zu bringen. Die Handlung in Poes Geschichte ist vage, die Motive des Verfolgens, des Verdoppelns und der urbanen Entfremdung werden jedoch im Rahmen des grundlegenden Scheiterns - des Scheiterns von Poes Erzähler, durch versteckte 'objektive' Beobachtung mehr über einen anderen Menschen zu erfahren-, deutlich zum Ausdruck gebracht.
Matthew Buckinghams filmische Umsetzung von The Man in the Crowd betont durch eine Reihe von Verschiebungen die Implikationen der Geschichte für dokumentarische und journalistische Praktiken. Er überträgt die, im fiktiven London des 19. Jahrhunderts, angesiedelte Geschichte in das heutige Wien und führt eine verfolgende Film-Kamera in die Erzählung ein. Im Fall von Poes Beobachter und Buckinghams Kamera führt der wachsende Wunsch den Fremden zu verstehen, dazu, dass das eigene Nicht-Wissen immer deutlicher in den Vordergrund tritt. Letztendlich erfährt der Beobachter mehr über Mechanismen der Erkenntnis und die Produktion von Bedeutung, als über das Objekt seines Interesses.