Abstract Space – Concrete Media

Avant-gardes beyond Western Modernism Symposium, 27., 28.05.11

Ort: MUMOK Lounge

14.00–21.00 Uhr
Eintritt frei

Konzeption: Sabeth Buchmann und Christian Kravagna
Konzeptuelle und administrative Organisation: Ines Kleesattel und Dagmar Steyrer
Im Rahmen der von Florian Pumhösl in Kooperation mit Matthias Michalka kuratierten Ausstellung Abstrakter Raum.
Mit künstlerischen Interventionen von Pia Niewöhner, Robert Müller, Aino Emilia Korvensyrjä und Jutta Zimmmermann.
Alle Vorträge in englischer Sprache.

Thema der Tagung sind die translokalen und transkulturellen Austauschbeziehungen zwischen den historischen Avantgardebewegungen, die sich in den zehner bis vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in zentral-/osteuropäischen und außereuropäischen Ländern, in Asien und den Amerikas formiert haben. Die für die Internationali sierung avantgardistischer Bild- und Objekt - sprachen maßgeblichen und häufig die Angleichung von Ausstellungs- und Medienpraktiken vorantreibenden Beziehungen manifestieren sich auf signifikante Weise in einer Vielzahl an Zeitschriften. Dienten diese einerseits der über die konventionellen Kunstinstitutionen hinausgehenden öffentlichkeitswirksamen Verbreit ung künstlerischer Ideen und politischer Projekte oder als Ersatz für das Fehlen solcher Institutionen (z.B. in den Kolonien), so bildeten sie auch ein ideales Instrument der Kommunikation zwischen KünstlerInnen, Architekt Innen, GrafikerInnen, SchriftstellerInnen, TheoretikerInnen und politischen AkteurInnen.

Diese Form der Vernetzung, die sich in kollektiven Projekten, in gegenseitigen Einladungen zu Vorträgen und in dem gemeinsamen Verfassen von Manifesten äußerte, muss als konstitutiv für die Herausbildung ästhetischer und politischer Avantgarde-Konzepte angesehen werden – sowohl für die Entwicklung der geometrischen Abstraktion und der konkreten Kunst, von der sich die Beteiligten nichts Geringeres als den Entwurf einer neuen, egalitären Gesellschaft versprachen, als auch für anti-imperialistische Gegen - strategien zu kolonialen Konzepten von Kultur und Moderne. Zugleich legen die Magazine jene Spannungen und Konflikte zwischen den unterschiedlichen AkteurInnen und Gruppierungen offen, die sich auch in den Werk- und Ausstellungsdesigns niederschlugen: Spannungen, die aus den unaufgelösten Widersprüchen zwischen Abstraktion und Figuration, Individualität und Kollektivität, Handwerk und Industrieproduktion, Expression und Rationali - tät, regionaler Identitätspolitik und Internationalismus resultierten. Lassen sich solche Konflikte zum einen mit lokalen Bedingungen und geopolitischen Verhältnissen erklären, so kommen hier auch Ambivalenzen der Avantgarden selbst zum Tragen, deren kritische und befreiende Potenziale zugleich mit kolonialistischen Implikationen verknüpft sein konnten.

Die Tagung Konkrete Medien stellt somit den Versuch dar, anhand von exemplarischen Ausstellungen, Zeitschriften und den um sie zentrierten Diskursen eine „Soziogeografie der Avantgarden“ nachzuzeichnen.