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Séances: Performing Film

14.03.-25.04.2012

Ort: mumok kino

jeweils 19.00 Uhr
Tickets € 6.- / erm. € 4,50 

Programm

14.03.
Einführung

21.03.
Drei Stufen der Kinematografie: Théâtre du Vieux Colombier, 21. November 1924

28.03. / 29.03.
Albert Oehlen und Christopher Williams

04.04. 
Kino der Attraktionen, Reprise

18.04.
Rendez-vous mit Offenbach: Joseph Cornell und Marcel Broodthaers 

25.04.
Paul Chan: What Can 1 Know? What Ought 2 Do? What May 3 Hope For?

Zeitgenössische KünstlerInnen organisieren oft Filmvorführungen oder stellen Filmprogramme zusammen - sowohl in Kunsträumen als auch in Kinos und gerne in Verbindung mit ihren Ausstellungen. Einige der interessanteren Beispiele dieser weit verbreiteten Praxis können auch als Reflexion der Filmvorstellung als eines Mediums oder vielmehr als eines Modells künstlerischer Praxis angesehen werden, die versucht, über die vorherrschenden und häufig kritisierten Formen des Filmkonsums hinauszugehen. So gesehen erinnern diese Vorführpraktiken an historische Versuche, alternative Vermittlungsstrategien zu erforschen, und verwandeln das Screening in ein performatives Ereignis. Solche Screenings zielen darauf ab, unmittelbar auf die Gegenwart einzuwirken, indem sie die Vergangenheit in dem Versuch, andersartige Beziehungen zwischen Publikum und Leinwand zu ermöglichen, reformulieren.

Für unsere historische Untersuchung unterschiedlicher Vorführpraktiken haben wir den französischen Begriff séance übernommen, der die Bedeutung »Sitz« oder »Sitzung« hat und dabei in einem allgemeinen Sinne sowohl auf öffentliche Versammlungen, etwa eines Parlaments oder einer Regierung, als auch auf Film-Screenings anspielt - une séance de cinéma. Die Verwendung des Begriffs im Englischen ist eingeschränkter: Er kann dem Französischen darin folgen, die »Versammlung einer Gesellschaft« anzuzeigen, aber seit dem 19. Jahrhundert wurde seine Bedeutung zumeist darauf beschränkt, eine spiritistische Sitzung, eine private Zusammenkunft zum Zwecke des Empfangs und der Weitervermittlung von Botschaften durch ein spiritistisches Medium zu bezeichnen. Wie Karl Marx Mitte des Jahrhunderts so glänzend darlegte, begannen die Tische in der bourgeoisen Kultur zu genau derselben Zeit zu tanzen, als das Gespenst des Kommunismus in Europa umging. Für Marx war die spiritistische Séance nur ein weiteres Symptom der traumhaften Realität des Kapitalismus - eine betrügerische Form des sozialen Tausches, der handfeste Wirklichkeit in ein Schattenspiel fehlgeleiteter Affekte und Bedürfnisse auflöst.

Noch bevor die Gebrüder Lumière das Kino, so wie wir es kennen, erfanden und damit der semantischen Fülle des Wortes séance eine weitere Bedeutung hinzufügten, erscheint das Schicksal dieses Begriffs innerhalb der englischsprachigen Welt besiegelt. Wir würden gerne die verschiedenen Bedeutungen des Wortes séance wieder ins Spiel bringen - öffentliche Versammlung, politische Sitzung, Kinoprogramm -, indem wir in einer Reihe von Screenings ausgewählte Momente der Geschichte und der sozialen Erfahrung filmischer Präsentation reinszenieren. Im Besonderen sind wir an der Frage interessiert, wie Kinoprogramme modellhaft dafür eingesetzt wurden, eine mögliche oder unmögliche Öffentlichkeit bzw. Teilhabe zu etablieren. Die Vorführung als Ereignis und die Vergangenheit als Archiv: Das sind die beiden Pole, zwischen denen diese Serie von Screenings oszilliert.

In einer von DVDs und Online-Streamings geprägten Post-Séance-Kultur wird die Art und Weise der Filmbetrachtung neuerlich rekonfiguriert. Eine historische und theoretische Untersuchung der séance erscheint uns daher heute umso notwendiger.
Eric de Bruyn & Sven Lütticken