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Kulturen des Erzählens

Temporäres Kino im MUMOK 23.06.-26.06.2005

Eintritt frei

Die technologische Konsolidierung des Kinos als Medium im frühen 20. Jahrhundert brachte bald auch eine dominante Erzählform hervor: den abendfüllenden, fiktionalen 'Feature Film'. Als Massenkultur und vor allem in seiner 'klassischen' amerikanischen Periode dispensierte sich das Kino damit grundlegend von den Vorbehalten gegen Erzählung und Repräsentation, die in der Selbstreflexion und Praxis der anderen Künste maßgeblich wurden. Es gibt jedoch im erzählenden Kino selbst ein „narratologisches“ Interesse, eine Beschäftigung mit den Möglichkeiten und Grenzen des Erzählens, die implizit auf Moderne und Postmoderne (sowie die kulturellen und historischen Spezifika dieser Periodisierungen) reagiert. Exemplarisch dafür stehen die vier Filme der Reihe „Kulturen des Erzählens“, die an das Symposion gleichen Titels vom Mai anschließt. Bert Rebhandl

Programm

23. Juni, 19.00 Uhr
The Forbidden Quest (Niederlande 1993)
Pieter Delpeut, 70 Minuten, Englische Originalversion
Eine faszinierende Geschichte über die Ereignisse der unglücklichen Reise der 'Holland', die im Juni 1903 in See stach. Das Schiff sollte in einer Geheimmission zum Südpol gelangen. Beinahe vierzig Jahre später wurde der einzige Überlebende, ein Schiffszimmermann, in Irland aufgefunden. Hier erklärt der alte Mann, wie Mord, Kannibalismus und schließlich eine spirituelle Erfahrung die schicksalhafte Fahrt prägten. The Forbidden Quest ist ein unheimliches Abenteuer in der Tradition von Herman Melville und Joseph Conrad. Es wird aus historischen Filmaufnahmen entwickelt. Pieter Delpeut bringt das "found footage" selbst 'zum Sprechen', und verwandelt dabei dokumentarische Aufnahmen in 'materialistische' Fiktion.

24. Juni, 19.00 Uhr
Appunti per una Orestiade Africana (Italien 1973), Pier Paolo Pasolini, 73 Minuten, Italienische Originalversion m. dt. Untertiteln
Pasolini macht sich Gedanken über sein Projekt einer modernen, afrikanischen Oresteia - eine Deutung der Tragödie, in der er die Parallelen herausarbeiten kann, die er zwischen der antiken griechischen Zivilisation und dem Schwarzafrika seiner Gegenwart feststellt. Im Kommentar spricht er von seiner Überzeugung, daß das archaische Moment der griechischen Geschichte - verkörpert von den Furien, die Orestes verfolgten - abgelöst wurde von einem demokratischen Staat, den die Eumeniden beherrschten. In einer vergleichbaren Weise ist Afrika im 20. Jahrhundert von einer 'wilden' Stammesgesellschaft zu einer 'zivilen Demokratie' geworden. (Naomi Greene)

25. Juni, 19.00 Uhr
L'Hypothèse du tableau volé (Frankreich 1979), Raoul Ruiz, 66 Minuten, Französische Originalversion
Die Geschichte einer Sammlung von Gemälden von Tonnerre, einem französischen akademischen Maler aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, von dem berichtet wird, daß seine Werke, die weder durch ihren Stil noch durch ihre Sujets auffielen,  einen mysteriösen Skandal ausgelöst hätten. Ruiz nahm seinen Exilstatus als Chilene in Frankreich (sein Gastland, dessen Konventionen er zugleich imitiert und parodiert) zum Ausgangspunkt einer peniblen, nichtsdestoweniger höchst ironischen Studie über den Unterschied zwischen filmischen und piktorialen Gesetzen der Repräsentation. Ruiz ist dabei so überzeugend, daß man geneigt ist, zu glauben, er habe tatsächlich in diesen Bildern ein gefährliches Geheimnis erkannt. (Thomas Elsaesser)

26. Juni , 19.00 Uhr
The Perfumed Nightmare (Philippinen 1977), Kidlat Tahimik, 93 Minuten, Englische Originalversion m. dt. Untertiteln
Kidlat Tahimik spielt einen Jeepney-Fahrer (Jeepnies sind umgebaute und bunt bemalte Jeeps, die als öffentliche Verkehrsmittel dienen und in diesem Fall das Dorf mit der Metropole verbinden), der aus Enthusiasmus für das amerikanische Weltraumprogramm einen Wernher-von-Braun-Fanclub unter den Kindern des Dorfes organisiert hat. Er gewinnt schließlich eine Reise nach Paris, auf der er sich selbst ein Bild von der Moderne machen könne. Ich glaube, daß in  diesem episodischen Film eine Fabel versteckt ist:  Sie handelt von dem Moment der Desillusion, der auf die erste Begeisterung für westliche Technologie folgt. (....) Aber die heterogene Form von The Perfumed Nightmare unterscheidet sich von dem radikalen Kino der Ersten Welt so, wie sich der lateinamerikanische Magische Realismus von seinen europäischen surrealistischen Vorgängern unterscheidet. (Fredric Jameson)

Kurator
Bert Rebhandl