online casino

online casino

best online casino

Hanne Darboven

Bücher 20.09.-23.11.2003

Die Ausstellung zeigt erstmals wird die zentrale Rolle des Buches als Werkform im Schaffen der deutschen Künstlerin Hanne Darboven - eine der Gründerfiguren der Konzeptkunst.

Seit den späten sechziger Jahren, in denen sie sich in New York aufhielt und unter anderem mit Sol Lewitt und Carl Andre in Kontakt stand, entwickelt Darboven eine Methodik der Realitätsaneignung durch seriell-systematisierte Formen schriftlicher Notation. Anfangs operiert sie dabei vor allem mit Zahlen, Diagrammen und abstrakter Füllschrift. Tag für Tag füllt sie mit grosser Disziplin und Akribie Seite um Seite mit Kalenderdaten, die sie systematisiert, indem sie aus den Ziffern von Tagen, Monaten, Jahren und Jahrhunderten die Quersummen zieht und diese in geometrische Formen übersetzt sowie in Indices zusammenfasst. Zeitliche Erstreckung wird auf diese Weise sinnlich erfahrbar. Mit der 1974 enstandenen Arbeit Ein Jahrhundert (Bücherei) besitzt das MUMOK ein Hauptwerk der Buchproduktion aus dieser frühen Schaffensperiode. Spätere Arbeiten, die durch Einbezug von Bildern und Texten eine historisch gesellschaftliche Kontextualisierung schaffen sind in der Ausstellung u.a. durch Werke wie Urzeit/Uhrzeit oder Stundenbücher vertreten.

Ab Mitte der 70er Jahre werden in Darbovens systematische Visualisierungen von Zeitabläufen konkrete Inhalte der politischen wie kulturellen Geschichte in Text- und Bildform eingebracht. Materialien der Bismarckzeit ebenso wie Artikel des Magazins Der Spiegel oder Texte Baudelaires, Rilkes, Sartres werden als mögliche Ausgangspunkte einer kritischen Reflexion von Vergangenheit mit Blick auf die Gegenwart integriert.

In der 2600 gerahmte Blätter, 1440 Bücher und Aktenordner umfassenden Ausstellung kann somit persönliche, politische und kulturelle Geschichte in ihrer Spannung zwischen linearem Nacheinander und verwobenem Nebeneinander sinnlich erfahren und neu reflektiert werden.

Seit 1980 übesetzt Darboven Zahlenfolgen auch in Musik, ein Arbeitsgebiet dem ihr Interesse insbesondere in jüngster Zeit im verstärktem Maße gilt. Diesem Umstand trägt das MUMOK mit der Aufführung ihres Streichquartetts sowie der österreichischen Erstaufführung ihres Bläserquintetts Rechnung.

Kuratorin
Eva Badura-Triska