Proben aufs Exempel
Ort: mumok kino
jeweils 19.00 Uhr
Tickets € 6.- / erm. € 4,50
Trotz der Popularität, die das Format der Probe an den Schnittstellen von Film, Theater, Musik und bildender Kunst erfährt, hat es im Kunstdiskurs bislang kaum Berücksichtigung gefunden. Vor diesem Hintergrund dient die Film- und Veranstaltungsreihe der Auseinandersetzung mit der Rolle und Funktion, die der Probe als Darstellungs- und Reflexionsmedium künstlerischer Arbeits- und Produktionsprozesse zukommt. Nicht das vollendete Werk, sondern die reflexive Inszenierung der zu seiner Herstellung und Rezeption erforderlichen Mittel steht dabei im Vordergrund. In Analogie zum postdramatischen Theater, das mit der Ununterscheidbarkeit von Probe und Aufführung spielt, weisen auch Praktiken im Spannungsfeld zwischen den sog. individuellen, d. h. bildenden und den sog. kollektiven, d. h. darstellenden Künsten einen Hang zur Narrativierung und Inszenierung des über die Kategorie des „Werks“ hinausgehenden künstlerischen Geschehens auf. Der Topos der Probe erscheint insofern auch deswegen von Belang, als er die Wechselbeziehung von künstlerischen Verfahren und Motiven mit neuen Technologien zum Vorschein bringt, die von der kollektiv erfahrenen Verflechtung sozialer und fiktiver Rollen zeugt. Oftmals auch als Before- oder After-the-Rehearsal-Situation inszeniert, erweist sich der suggerierte Blick hinter die Kulissen als umso performativere, die Betrachterinvolvierung stimulierende und regulierende Darstellungsstrategie.
Die Probe tritt dabei als eine auf ununterscheidbare Weise improvisierte und inszenierte Form des „Making-of“ sowie als eine biopolitisch aufgeladene Modellsituation in Erscheinung, in der die Einübung soziokultureller Identitäten im Kontext herrschender Macht- und Geschlechterverhältnisse anschaulich wird.
Als erweiterte Praxis der Institutions- und Repräsentationskritik verstanden, erweist sich die Probe somit als Mittel, alle an einem künstlerisch-theatral-filmischen Geschehen beteiligten Elemente buchstäblich auf den Prüfstand zu stellen. Klassische, in der Tradition der Abstraktion verankerte Werkverfahren des Zufalls, der Wiederholung, der Akkumulation, der Serie etc. vermischen sich mit neuen, in den sozialen Medien und der Netzwerkökonomie verankerten Erzähl- und Darstellungsformen. Partizipiert die Probe somit einerseits an Neudefinitionen von Autorschafts-, Rezeptions- und Werkbegriffen, ist es andererseits ihre Korrespondenz mit der Transformation gesellschaftlicher Arbeitsbegriffe, die sie zu einem übergreifenden gesellschaftlichen Thema macht. Demnach müssen Subjekte heute permanente Bereitschaft signalisieren, an ihren Rollenfeatures im Sinne einer effizienten Performance zu arbeiten, um als marktfähig zu gelten. Die Probe erscheint somit als ein exemplarisches Format, das jene Erzählungen über erfolgreiche und scheiternde Formen der Subjektivierung dokumentiert und/oder hervorbringt, die zugleich bevorzugter Gegenstand künstlerischer Kritik sind.
Sabeth Buchmann lebt in Berlin und Wien, sie ist Autorin, Kunsthistorikerin und Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Constanze Ruhm lebt in Berlin und Wien, sie ist Filmemacherin, Künstlerin und Professorin für Kunst und digitale Medien an der Akademie der bildenden Künste in Wien.
Programm
06.03.2013
Das Leben der Performer
13.03.2013
Kontingenz und Plan
20.03.2013
Ränder der Proben



