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WOMAN

FEMINISTISCHE AVANTGARDE der 1970er-Jahre aus der SAMMLUNG VERBUND

Mittwoch, 08. März 2017

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Ab Mai 2017 zeigt das mumok mit über 300 Kunstwerken aus der SAMMLUNG VERBUND, wie Künstlerinnen in den 1970er-Jahren kollektiv und zum ersten Mal ein eigenes Bild der Frau kreierten. Da diese wichtige künstlerische Bewegung in der Kunstgeschichte bisher zu wenig Beachtung fand, prägte Sammlungsdirektorin Gabriele Schor den Begriff „Feministische Avantgarde“ und brachte ihn in den kunsthistorischen Diskurs ein, um die Pionierleistung dieser Künstlerinnen hervorzuheben. Ziel der Themenausstellung im mumok und des umfassenden wissenschaftlichen Katalogs ist es, den männlich dominierten Kanon der Avantgarden zu erweitern.

In den 1970er-Jahren emanzipierten sich die Künstlerinnen von der Rolle als Muse und Modell, das heißt, sie emanzipierten sich von ihrem Objektstatus hin zu einem selbstbestimmten Subjekt, das aktiv an gesellschaftlichen und politischen Prozessen teilnimmt. Die stereotypen Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau wurden mit den Mitteln der Ironie radikal hinterfragt. Zentrale Themen waren: die Entdeckung weiblicher Sexualität, der Einsatz des eigenen Körpers, das Aufbrechen stereotyper Frauenbilder, das Diktat der Schönheit sowie das Schaffen eines Bewusstseins für Gewalt gegen Frauen. Die Ablehnung tradierter, normativer Vorstellungen davon, wie eine Frau zu leben hat, verbindet das Engagement der Künstlerinnen dieser Generation. „Es ist spannend zu beobachten, dass die Künstlerinnen, ohne sich alle untereinander zu kennen, doch ähnliche Bildstrategien wählten“, erklärt Schor. 

Die Ausstellung gliedert sich in vier Bereiche: 
Reduktion auf Mutter, Hausfrau und Ehefrau
Alter Ego: Maskerade, Parodie und Rollenspiele 
Weibliche Sexualität versus Verdinglichung 
Normativität der Schönheit 

„Für Wien und das mumok ist es sehr wichtig und ebenso erfreulich, die von der SAMMLUNG VERBUND zusammengetragenen Bestände zum Thema Feministische Avantgarde der 1970er-Jahre zeigen zu können. Diese bilden eine Ergänzung zu den Sammlungen unseres Hauses, die einen Schwerpunkt im Bereich der gesellschaftsbezogenen Kunst der 1960er-Jahre haben, wie den Wiener Aktionismus als eine ausschließlich von Männern getragene Bewegung. Hier wurden bereits viele Fragen und Thematiken angesprochen, in den 1970er-Jahren unter neuen, erweiterten Blickwinkeln eine Rolle spielen sollten – Entwicklungen, die wiederum in hohem Maße von Frauen getragen wurden. Mit ihren Werken formulierten sie Antworten auf die Herangehensweise der Männer. Ich freue mich daher außerordentlich, diese bedeutende Sammlung im mumok präsentieren zu können“, so Generaldirektorin Karola Kraus. 

Die Ausstellung ist keine Frauenausstellung, sondern eine Themenausstellung. Sie vereint Künstlerinnen, die in den Jahren zwischen 1930 und 1958 geboren sind. Unter den insgesamt 48 europäischen, nord- und südamerikanischen Künstlerinnen sind acht Österreicherinnen: Renate Bertlmann (* 1943), Linda Christanell (* 1939), VALIE EXPORT (* 1940), Birgit Jürgenssen (1949–2003), Brigitte Lang (* 1953), Karin Mack (* 1940), Friederike Pezold (* 1945) und Margot Pilz (* 1936).