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Naturgeschichten

Spuren des Politischen

Samstag, 22. Juli 2017

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Die Ausstellung Naturgeschichten. Spuren des Politischen (23. September 2017 bis 14. Jänner 2018) befasst sich mit Darstellungen von Natur, die auf gesellschaftliche Prozesse und zeitgeschichtliche Ereignisse Bezug nehmen. Die Arbeiten unterlaufen sowohl die Vorstellung von Natur als geschichtsfreiem Raum als auch die Fiktion eines unveränderlichen, naturgegebenen Geschichtsbildes. Sie verdeutlichen in unterschiedlichen Themenfeldern den Wechselbezug von Natur und Geschichte jenseits romantisierender Natur- und Geschichtsverklärung. Auf drei Ausstellungsebenen spannt die Präsentation einen Bogen von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart. 

In der Ausstellung zeigt sich, dass zeit- und systemkritische Kunst, die sich auf den Kolonialismus und seine Folgen, auf totalitäre Ideologien und kriegerische Konflikte sowie auf gesellschaftliche Veränderungen im Zuge politischer Systemwechsel bezieht, bis heute eine zentrale Bedeutung besitzt.

Naturgeschichten setzt mit Arbeiten von Neoavantgardist_innen ein, die in ihrer Reflexion über die Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion und Rezeption auch deren gesellschafts- und geschichtskritische Dimensionen mitdenken. Vertreter_innen der nachfolgenden Künstler_innengenerationen bedienen sich sowohl kolonialismuskritischer als auch geschichts- und gesellschaftskritischer Traditionen der Neoavantgarde und aktualisieren sie für ihr eigenes zeitgeschichtliches Umfeld. Naturdarstellungen prägen auch Werke, die sich mit Völkermord im Rahmen totalitärer Systeme und kriegerischer Konflikte auseinandersetzen. Weitere Arbeiten, die von politisch motivierter Gewalt, von Flucht oder Widerstand handeln, schließen hier an. 

Außenprojekte von Christian Philipp Müller und Mark Dion im Rahmen der Ausstellung 

Christian Philipp Müller bezieht sich in seiner Arbeit Drei-Schwestern-Korridor auf die Geschichte des Pflanzenimports als Aspekt der Aneignung fremder Kultur und Natur im Zuge kolonialer Eroberungen. Die 2006 für den Klostergarten des Stiftes Melk entworfene und seither dort kontinuierlich betreute Installation aus unterschiedlichen Gemüse- und Obstpflanzen amerikanischen Ursprungs wird im Rahmen der mumok Ausstellung auf dem Areal des MuseumsQuartiers neu inszeniert. Heute längst für heimisch gehaltene Kulturpflanzen wie Kartoffeln, Melonen, Indianermais, Stangenbohnen, Kürbisse, Tabak, Paprika, Zucchini oder Paradeiser bildeten die Existenzgrundlage der indigenen Bevölkerung der sogenannten Neuen Welt. 

Während der Laufzeit der Ausstellung wird The Tar Museum von Mark Dion im nahe gelegenen Naturhistorischen Museum Wien gezeigt. Die Arbeit enthält ausgestopfte und geteerte Tiere auf Transportkisten. Diese Tiere bieten ein Bild zerstörter Natur, das zugleich auf ein Wahrnehmungs- und Verdrängungsphänomen verweist: Es ist nicht nur der ökonomiekritische und auf ökologische Umweltkatastrophen zielende Aspekt, der hier zitiert wird, sondern auch der Umstand, dass erst das makabre Schwarz des Teers die Wahrnehmung des Todes bzw. des Tötens auslöst, nicht aber schon die Präsentation ausgestopfter Tiere selbst.