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minimal club

parallelwährung


Mittwoch, 21. Oktober 2015, 19:00

Im Rahmen der Reihe theoretisches fernsehen von minimal club wurde 1991 parallelwährung präsentiert, eine Installation und eine Aufführung, aber auch eine Abfolge von Texten, Grafiken und Videos. Es handelte sich dabei um Auskoppelungen aus anderen Arbeiten, die sich flexibler an Räume, Situationen und politische Aktualitäten anpassen ließen. Die Integration der Livenachrichtensendungen Tagesschau oder Tagesthemen war daher ein zentrales Element des Konzepts von theoretisches fernsehen. Konkretes Material lieferten auch der damals diskutierte Wechselkurs der Mark der DDR in jene der BRD und die Rolle der Deutschen Bundesbank. Dass die Währungsunion, also das Aufzwingen von westlicher ökonomischer (Anti-)Rationalität auf die ehemalige DDR, in den Tagesthemen gerade von Hans Tietmeyer verteidigt wurde – der einige Jahre früher als Staatssekretär einem Anschlag der RAF ausgesetzt war und nun Helmut Kohl beriet, bevor er dann tatsächlich Präsident der Bundesbank werden sollte –, war für parallelwährung einer der Eingänge hinter die Fassade der politischen Verhältnisse. Da das „Fernsehstudio“ ein Messestand war, vermischen sich reflexive mediale Überlegungen mit ironischen Verkaufsattitüden: eben auch sich selbst verkaufen. Der verhandelte Zusammenhang von Fernsehen, Werbung, Präsenz und Ökonomie ist manchmal rätselhaft, sprunghaft, manchmal pseudomathematisch oder auch burlesk.

Programm

Gezeigt werden eine aktuelle Bearbeitung des damaligen Materials (parallelwährung, ca. 20 Minuten) sowie eine Zusammenstellung verschiedener sprachlicher, visueller und performativer Mittel, die in der Arbeit von minimal club entwickelt wurden, in einer neuen Videoarbeit (ca. 25 Minuten).


Vorgestellt von Elfe Brandenburger, Sabeth Buchmann und Stephan Geene

minimal club ist eine 1983 gegründete Künstler/innen-Gruppe (München, Berlin), bestehend aus Elfe Brandenburger, Sabeth Buchmann, Stephan Geene und Mano Wittmann. Deren Arbeiten setzten sich mit Themen wie Technologie, Gender und politischer Theorie auseinander: zahlreiche Theaterstücke, Videoarbeiten, Texte und Installationen, 1985 wird Michel Foucaults Theatrum Philosophicum aufgeführt, das Buch dazu 1996 publiziert. Seit 1989 erscheint einmal jährlich A.N.Y.P. (Anti New York Pläne) // Zeitung für 10 Jahre.

Elfe Brandenburger lebt in Berlin. Sie ist als Cutterin, Drehbuchautorin, Regisseurin und Darstellerin tätig, seit 2014 zudem als Mitbetreiberin der Buchhandlung paul + paula (Berlin). Filmische Zusammenarbeiten u. a. mit Mano Wittmann, Karin Michalski und Silvia Casalino. Seit 2011 arbeitet sie an dem Spielfilmprojekt Der Raub des Ganymed, das sich mit institutionalisierter sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Kontext der reformpädagogischen Bewegung befasst.

Sabeth Buchmann lebt in Berlin und Wien. Sie ist Kunsthistorikerin und -kritikerin und arbeitet als Professorin für Kunst der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien. Mit Helmut Draxler, Clemens Krümmel und Susanne Leeb ist sie Herausgeberin von PoLyPen – einer Reihe zu Kunstkritik und politischer Theorie.

Stephan Geene lebt in Berlin. Neben Theaterarbeiten mit minimal club und vor allem filmischen Ausstellungsbeiträgen in unterschiedlichen Kontexten (u. a. mit Judith Hopf) arbeitet er im Rahmen des Kollektivs b_books (Buchladen, Verlag, Veranstaltungsraum und Filmproduktion) als Theoretiker und Übersetzer (von Jacques Derrida, Maurizio Lazzarato, Beatriz Preciado und Jacques Rancière).

Im Rahmen der Ausstellung to expose, to show, to demonstrate, to inform, to offer

€ 6,– / ermäßigt € 4,50

Über die Ausstellung