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Judith Barry

Voice off


Freitag, 24. August 2012 bis Sonntag, 13. Januar 2013
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Schenkung von Dieter und Gertraud Bogner

Mit Voice off (1999) stellt das mumok eine Videoinstallation der amerikanischen Künstlerin Judith Barry vor, die das Sammlerehepaar Dieter und Gertraud Bogner dem Museum im 2011 als Schenkung überlassen hat.

Bereits 2007 haben die langjährigen Förderer und Begleiter des mumok, die Ende der 1970er-Jahre zu sammeln begannen, dem Museum zentrale Komplexe ihrer Sammlung konstruktiver, struktureller und konzeptueller Kunst übergeben. Mit rund 400 Arbeiten - darunter Bilder, Skulpturen, Objekte und Grafiken (zum Beispiel von Marc Adrian, Heinz Gappmayr, Dan Graham, Dora Maurer, Josef Mikl oder Heimo Zobernig) sowie Künstlerbücher oder Archivalien - erhielt das Haus die größte Schenkung seit seinem Bestehen. Das mumok produziert eine umfassende Publikation (Leidenschaftlich exakt. Sammlung Dieter und Gertraud Bogner im mumok), die einen fokussierten Blick auf die Schenkung Bogner wirft und im Rahmen der „50 Jahre mumok“-Feierlichkeiten am 21. September präsentiert wird.

Judith Barry: Voice off (1999)

Voice off ist eine doppelte Projektion auf zwei Seiten einer Wand, die einen Raum in zwei identische Räume unterteilt. Die Projektionen selber bilden die Wand, die den Raum teilt. BesucherInnen sind aufgefordert, durch einen kaum sichtbaren Vorhang, der in den Projetionsflächen versteckt ist, von einer Seite zur anderen zu gehen. Jede der beiden Videoprojektionen präsentiert eine unterschiedliche Erfahrung dessen, wie die Stimme sichtbar werden könnte und erkundet, wie sich Ideen darstellen lassen, die für die Frage nach dem Wesen der Stimme entscheidend sind.

In einer Projektion findet sich eine Gruppe von Figuren in einer Szenerie in einem scheinbar endlosen, teilweise mit Nebel gefüllten Raum wieder. In dieser traumartigen Umgebung zeigen sie einige der persönlichen und innigen Begegnungen, die man mit der Stimme haben kann - mit der eigenen Stimme wie auch mit anderen Stimmen. Dazu gehören persönliche und gesellschaftliche Erlebnisse, zufällig mitgehörte Reden, innere Monologe und Liedfetzen. Dies sind die Art von Erfahrung mit der Stimme, die man immer wieder im Alltag macht, die uns besitzen und denen man entweder zu widerstehen versucht oder denen man sich ergeben kann.

Auf der anderen Seite der Wand versucht ein Mann in einem Büro zu arbeiten, wird aber immer mehr von den Stimmen und Geräuschen gestört, die in seinen Raum eindringen. Immer verzweifelter versucht er, die Quelle dieser Stimmen zu finden und zeigt damit, wie unfreiwilliges Hören es der Stimme ermöglichen kann, von uns Besitz zu ergreifen oder uns zu verfolgen. An diesem Punkt der Erzählung scheinen die Projektionen ineinanderzufließen, um sich dann wieder zu trennen, als eine weitere Geschichte einsetzt.

In ihrem Werk verhandelt Judith Barry oft die Interaktion zwischen Medien und Architektur und hinterfragt, wie die Beziehungen zwischen Individuen in unterschiedlichen sozialen Räumen dargestellt werden können. In Voice off sind diese Themen durch Genderfragen, Filmtheorie und Wahrnehmungsprozesse miteinander verbunden. Im Jahr 2000 erhielt die Künstlerin für ihr interdisziplinäres Werk den Österreichischen Friedrich-Kiesler-Preis für Architektur und Kunst.

Judith Barry wurde 1954 in Columbus, Ohio (USA) geboren und lebt in New York. Sie studierte an der University of California, Berkeley, sowie am New York Institute of Technology. Seit ihrer Einzelausstellung im Whitney Museum 1982 war sie in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, u.a. bei der dOCUMENTA 13 (2012).