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Bustour mit Josef Dabernig

Zu den mährischen Drehorten seiner Filme Rosa coeli & Herna


Am 6. September 2014 macht der Künstler Josef Dabernig mit allen, die die seltsam verlassenen und vergessenen Orte seiner Filme Rosa coeli (2003) und Herna (2010) in Farbe statt im abgefilmten Schwarz-Weiß kennenlernen wollen, eine ganztägige Busreise durch Mähren. Beide Arbeiten sind in Dabernigs aktueller Ausstellung Rock the Void zu sehen. 

Erster Halt: die ländlich geprägte Industriestadt Adamov (nördlich von Brno). Nach einem Spaziergang geht es von dort weiter in die im mährischen Karst gelegene Stadt Blansko, wo das Hotel Dukla steht –ein „realsozialistisch“ geprägtes Gebäude, in dem sich ein Großteil des Films Rosa coeli abspielt. 
Nach einer Mittagsjause wird die Fahrt in das Städtchen Dolní Kounice fortgesetzt. In dem knapp 2.500 EinwohnerInnen zählenden Ort südwestlich von Brno stoppt die Tour zur Besichtigung der Klosterruine Rosa coeli. Nie im Film zu sehen, aber auf der Tonspur beschrieben, ist sie titelgebend für Dabernigs Arbeit aus dem Jahr 2003. Die Rückreise nach Wien führt über Pohořelice, wo der Hauptdarsteller von Herna in einer freudlosen, mit zu wenigen Spielautomaten und zu vielen Aschenbechern ausgestatten Sportbar als einziger Gast sein Glück sucht, und darüber Frau und Kind im vor dem Lokal geparkten Bus vergisst. 

Auf der Tonspur der Filme, die im Mittelpunkt der Landpartie nach Tschechien stehen, hört man aus dem Off eingesprochene Texte des Autors Bruno Pellandini. Rosa coeli ist die Erzählung eines Mannes, der sich an seine Kindheit in einem mährischen Dorf erinnert, in das er zurückkehrt, um seinen Vater zu beerdigen. In der Erzählung spiegelt die Geschichte seiner Familie das wechselvolle Schicksal einer mitteleuropäischen Siedlung über die Jahrhunderte hinweg. Es ist von Krieg und Migration die Rede, von Menschen und Natur und vom Niedergang des Klosters Rosa coeli. Während sich die Erzählung entfaltet, folgt man im Bild einem Mann auf der Reise in ein Hotel im Nirgendwo. Er und zwei weitere Herren unterzeichnen dort feierlich ein Dokument – das Drehbuch zum Film. Erst mitten im Film bemerkt man die inhaltliche Unvereinbarkeit von Ton und Bild. Gehörtes und Gesehenes erzählen zwei völlig verschiedene Geschichten, verbunden nur durch die Reise eines Mannes in ein Dorf irgendwo in Tschechien. 

Auch die Tonebene, die über die Bilder von Herna (tschechisch für Spiel) gelegt ist, steht in einer spannungsreichen Beziehung zur visuellen Erzählung. Während der spielende Hauptdarsteller im Bild glücklos bleibt, erzählt das in einem Wirtshaus angesiedelte, vierstimmige Hörspiel Bruno Pellandinis vom Gewinnen und Verlieren von Reichtümern, Schlössern und eleganten Hotels. 
Der Autor Pellandini geht am 6. September mit auf die Reise zu den Drehorten. 

Veröffentlicht

Dienstag, 12. August 2014